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Sterbens ein religiöses Denkmal zu geben, sie so von der vielfach beklagten „Karnevals-Atmosphäre“(„Melbourne Herold“ vom 31. 3. 1960) zu be- freien und aus dem„Treffpunkt von Touristen“ einen Ort der Stille und Besinnlichkeit, des Gebets und der Sühne zu machen.
Des öftern wurde diese Anregung auch an mich herangebracht. Ich be- fürwortete sie zwar sehr, suchte auch andere dafür zu gewinnen, glaubte aber wegen meiner sonstigen vielerlei Aufgaben die Inıtiative zur Durchführung dieser Sache besser andern überlassen zu müssen.
Da geschah am 20. Jahrestag des Kriegsbeginns, am 1. September 1959, etwas Außerordentliches, das mich zur Tat, zur eiligen Tat zwang.
Da kam der weltbekannte Group Captain L. Cheshire mit ca. 30 Priestern und Laien Englands ins ehemalige Konzentrationslager Dachau, um dort in nächtlicher Anbetung Sühne zu leisten für all die Frevel, die hier und vieler- orts gegen Menschlichkeit, Freiheit, Recht, Gesundheit und Leben begangen worden waren.
Die weitgereiste und vieltätige Gattin dieses Mannes war es, die mir beim Empfang der Pilgergruppe sagte:„Wir sind schwer enttäuscht vom gegen- wärtigen Zustand des KZ Dachau. Ich bin schon in allen ehemaligen Kon- zentrationslagern Deutschlands und Österreichs gewesen, aber keines fand ich in einem so beklagenswerten Zustand wie jenes von Dachau, so ohne Ehr- furcht vor Not und Tod, so ohne warnende Erinnerung an die Entrechtung und Entwürdigung, Freiheitsberaubung und Versklavung von Hundert- tausenden! Kein Denkmal mitleidsvollen Gedenkens an die Opfer der gott- losen Gewalttätigkeit!“
Ich nannte zwar mancherlei Gründe, welche die guten Absichten und Ver-
suche von Behörden nicht zur Verwirklichung kommen ließen, aber ich konnte selbstverständlich der bitteren Kritik nicht alle Berechtigung absprechen.
Um so mehr mußte ich mich daraufhin immer wieder fragen:„Wie wird die Kritik erst recht nächstes Jahr in aller Welt einsetzen, wenn aus Anlaß des Eucharistischen Weltkongresses Zehntausende aus allen Ländern in das so nahe Dachau kommen? Es muß bis dahin etwas Positives und Sichtbares geschehen, muß wenigstens ein Anfang gemacht werden.“
So begann ich denn mit allen zuständigen Behörden, mit der Inter- nationalen KZ-Vereinigung Dachau, mit der KZ-Priestergemeinschaft Dachau, mit Architekten usw. zu verhandeln, um noch bis zum Kongreß ein würdiges, religiöses Mahn- und Sühnedenkmal zu schaffen. Sodann suchte ich mir Mitarbeiter und schloß sie zu einem„Kuratorium für Sühnemal KZ
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