gesehen gewesen. Ein Vortrupp einer kleinen Gruppe stieß auf das Abstell- gleis der Eisenbahn in der Nähe des Lagers und fand dort eine Menge von Leichen in den Waggons. Ohne sich näher zu orientieren, stieß er weiter vor, und da er keinen Widerstand fand, sah er sich plötzlich im Lager. Die Wach-
posten auf einem Wachturm, die sich nicht ergeben wollten, wurden liquidiert.
Nach Einzug des kleinen amerikanischen Vortrupps beherrschte die Ge-
fangenen eine ungeheure Freude. Alle gingen auf den in furchtbarer Erinne-
rung haftenden Appellplatz und dankten den Befreiern.
Alsbald zeigten sich auf den Wohnbaracken sowie auf den bisherigen Verwaltungsgebäuden Fahnen verschiedener Länder. Auf der Priesterbaracke weht die päpstliche Fahne. In der Kapelle singt man das Tedeum. Ein Altar wird außerhalb des Priesterblocks aufgebaut; öffentlich wird eine hl. Messe zelebriert. In der Nacht errichten Kameraden auf dem Appellplatz ein hohes Kreuz. Tags darauf wird ein hl. Meßopfer für alle Verstorbenen dargebracht.
Und dann alsbald ein großes Abschiednehmen zur Rückkehr in Freiheit
und Heimat, zu Familie und Beruf.
11. Dachaus geschichtliche Sendung
Diesem Gedanken: widmet Dr. Sales Hess das letzte Kapitel seines Buches, „Dachau, eine Welt ohne Gott”, und darin sagt er(S. 254 ff.):
„Die Konzentrationslager waren eine Welt ohne Gott, mehr noch: eine Welt wider Gott. Jede religiöse Betätigung der Insassen.war. verboten, ver- boten jeder religiöse Gegenstand, verboten sogar jedes gemurmelte Gebet, wie ich schon zeigte. Nicht einmal der Sterbende durfte mit dem Troste der Sakra- mente versehen werden. Alles Religiöse wurde verlacht und verspottet. Nur mit Rücksicht auf außenpolitische Faktoren war uns Geistlichen eine Aus- nahme gewährt. Im Falle eines Sieges wären auch diese Ausnahmen wieder
aufgehoben worden. Die SS-Leute hielten sich
gebunden, nicht einmal an Menschenseele, auch in die Scele des Heiden, gelegt hat.
Es gab keine Wahrhaftigkeit. Ich erinnere an das Kapitel
den Häftlingen gegenüber an kein Gebot Gottes das natürliche Sittengesetz, das Gott in jede
„Schwindel im Lager“.
Es gab keine Gerechtigkeit. Der Häftling war rechtlos, wie der Lagerführer uns öffentlich schon in den ersten Tagen erklärte.
Er hatte kein Recht auf Eigentum und auf persönliche Freiheit.
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