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Einige brechen tot zusammen. Das politische Büro teilt keine Nummern mehr aus, ersieht aber aus den Begleitpapieren, daß es 116 meist schwerkranke Frauen aus Leipzig und 5628 Männer aus sieben anderen Lagern sind. Oben- drein stehen auf dem toten Geleise des Lagers noch 15 bis 20 Waggons, in denen jetzt 2600 Leichen liegen. Es handelt sich meist um Kameraden aus Flossenbürg und Buchenwald, die in den Abteilen vom Hunger dahingeraftt wurden. Das Bestattungskommando transportierte die Leichen zum Krema- torium. Bis gegen Mitternacht dauert die grausige Arbeit. Berge von Toten türmen sich noch am Lagerbahnhof, am Krematorium und auf der Block- straße der Revierbaracke auf. Ich besitze viele photographische Aufnahmen von diesen Bildern des Grauens.“(Goldschmitt:„Zeugen des Abendlandes“, S. 158.)
Und das am Vortag der Befreiung!
Die letzten Schreckenstage!
Am 27.,28. und 29 April 1945 erlebte man im Lager eine große Aufregung deshalb, weil die Schüsse der Artillerie, dann auch die von Maschinengewehren immer näher kamen. Größere Hoffnung gaben in diesen Tagen der Un- gewißheit und des Erwartens die sehr tief über dem Lager fliegenden Flug- zeuge der Amerikaner, welche die Zufahrtsstraßen und andere kriegswichtige Objekte vernichteten.
Am 29. April 1945 ging die Kunde durch das Lager, daß auf Befehl Himm- lers das ganze Lager samt Insassen in der Nacht vernichtet werden sollte. Diese Nachricht brachte die Gefangenen fast zum Wahnsinn. Es kam jedoch nicht zur Verwirklichung dieses Planes; der frühere Lagerkommandant Weiß, damals Inspektor aller Konzentrationslager, verhinderte die Ausführung
dieses Befehls.
Das Tor öffnet sich zur Freiheit: 29. April 1945
Und zur ungeheuren Freude des ganzen Lagers trat die Befreiung durch die amerikanischen Soldaten ein.
Vorher hängten die einzelnen Wachtürme der Reihe nach weiße Kapi- tulationstücher aus. Der Kommandant der Wachabteilung verlangte vom Schreibstubenführer des Lagers den Tagesrapport und bereitete die Kapi- tulation und die formelle Übergabe des Lagers in die Hände des näher- tückenden amerikanischen Heeres vor.
Die Einnahme des Gebietes, auf welchem das Lager Dachau sich befand, war von den amerikanischen Soldaten zu dieser Zeit noch gar nicht vor-
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