Schmutz auf die unteren. War einer zu sehr beschmutzt, so wurde er auf Ver- langen der Kameraden in den Waschraum gezerrt, mit groben Bürsten ab- gescheuert und wieder auf die Bretter geworfen. So ist Camille, der Con- trolleur gendral de l’armee, bald darnach verstorben. Der Fischer Schulz Michel, 44 Jahre alt, blieb drei Wochen ohne jedewede Pflege nackt auf den Brettern. Totgeglaubt, warf man ihn auf den Leichenhaufen. Unter Auf- bietung letzter Willenskraft gelang es ihm, sein Bett wieder zu erreichen. Am 5. Januar 1945 mußten wir vom Bad zum Block zurückgehen(zirka 400 m), bei strenger Kälte, nur mit kurzer Unterhose und einem dünnen Hemd be- kleidet. Manche von uns brachen unterwegs zusammen und starben(Davier von Nantes). Wir blieben drei Tage ohne Kleider und ohne Decken. Als diese von der Desinfektion zurückkamen, waren sie noch voller Ungeziefer. An- läßlich dieser Desinfektion erhielt Cherpittel von Belfort, 63 Jahre alt, vom Blockältesten Zepp(wahrscheinlich Sepp, d. V.) heftige Stockschläge auf den Kopf und starb einige Stunden danach. Die Desinfektion vom 25. Januar 1945: Um 6 Uhr morgens mußten wir zum Bad. Wer nicht gehen konnte, wurde-nackt oder halbnackt auf eine Karre geworfen. Es war sehr kalt. Viele von uns hatten 40 Grad Fieber. Wer nicht schnell genug vorankam, erhielt Stockschläge vom Blockältesten. Wem es im Bad nicht gelang, gleich zur Dusche zu kommen, wurde über den Zementboden geschleift und in einen Wasserbehälter getaucht. Die Häftlinge de Maudhuy und Durfour ertranken. Auch der Capo vom Bad beteiligte sich an den Mißhandlungen der Kranken. An diesem einen Tag starben 74 Kame- raden von 350 unserer Stube. Die Rückkehr zum Block erfolgte abends acht Uhr, barfuß; viele waren ohne Kleider. Wir waren also 14 Stunden im Bad festgehalten, ohne Speise und Trank. In den folgenden Tagen erhöhte sich die Zahl der Toten ganz erheblich. Die Leichen, mit einem Erkennungszettel am Fuß(einem Karton, auf den die Gefangenennummer geschrieben war), hat man zu je zehn aufgeschichtet, im Waschraum und längs der Baracke. Von da gings zum Krematorium, nachdem Goldzähne und Plomben ent- fernt worden waren. Dieses Leben auf dem Block 30, insbesondere auf Zim- mer 3 und 4, dauerte an, bis die Alliierten kamen. Auf Block 30 waren der Blockälteste, der Stubenälteste und die Torwächter stets mit Stöcken be- waffnet. Ohne die Roheiten und mit etwas mehr Menschlichkeit wären sicher manche unserer Kameraden noch am Leben.“
„Wandelnde Leichen“
„Wir schreiben Samstag, den 28. April 1945. Eine lange Prozession von Neuankömmlingen zieht durch das Tor. Es sind meist wandelnde Leichen.
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