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Wie war das in Dachau? : Ein Versuch, der Wahrheit näherzukommen / von Johann Neuhäusler
Entstehung
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Dienst an Sterbenden und Toten

Bescheiden erzählt Micheler von sich selbst:

Ich war einige Tage Nachtpfleger im Revier. Das war keine üble Arbeit, verglichen mit vielen anderen geradezu beneidenswert. Natürlich durfte man die Augen nicht zum Träumen schließen, sondern mußte immer bereit sein, den Rufen von Kranken zu folgen, die da seufzten: ‚Wasser!, oder mußte andere wieder zurechtrichten, die sich verunreinigt. hatten, auch den Stroh- sack wieder saubermachen; schließlich waren die Leichname mit einer Etikette zu versehen(ein Karton mit der Häftlingsnummer wurde an die große Zehe gebunden) und in die Leichenkammer zu bringen. Das war eine Arbeit bis zur Erschöpfung, zumal die Zahl der Toten im Tag bis zu 10, ja 12 bis 15 stieg. Jedesmal mußte man den Toten durch die Gänge bis zu einem Abstell- raum tragen, in dem noch irgendwie Platz war. Dabei muße der Leichnam oft hoch auf einen Haufen von Leichen gehoben werden und fiel er manchmal wieder herunter...(S. 225).

Der Erzkommunist täglich bei der heiligen Messe für den Freund

Im Dienst der Typhuskranken war Michelet selbst von der lebensgefähr- lichen Krankheit ergriffen,worden. Vor der Türe des Kapellenblockes lag er bewußtlos im Schnee. Freunde trugen ihn auf ihren Schultern ins Revier. Unter seinen fürsorglichen Pflegern war auch der Vollkommunist Auboiroux, mit dem Micheler wochenlang täglich zweimal alle Türklinken des Lagers mit Kresyl zur Desinfizierung bestrichen hatte.

Als nach schweren Wochen die Krisis vorüber war und Michelet wieder zu Bewußtsein kam, fragte ihn Auboiroux, ob er ihm nicht einen Gefallen tun könne. Michelet wußte nichts Besonderes; er war noch ziemlich apathisch. Da sagte Auboiroux:Ja, ich weiß schon, was dich quält. Daß du nicht mehr jeden Morgen zur Kapelle gehen kannst. Gut! Ich werde das an deiner Stelle tun, bis du selbst wieder gehen kannst. Und so kam es, daß die Geistlichen des Blockes 26 in den folgenden Tagen die Überraschung erlebten, Auboiroux, den wohlbekannten französischen Kommunisten vom Desinfektionskom- mando, Freundschaftswache vor dem Tabernakel halten zu sehen, bekleidet mit seinem kurzen weißen, aber schon mehr gelb gewordenen Mantel, die Taschen gefüllt mit seinen rettenden Holzkohlenstücken, den Eimer Kresyl zu seinen Füßen.(Michelet:Die Straßen der Freiheit, S. 203)

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