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Wie war das in Dachau? : Ein Versuch, der Wahrheit näherzukommen / von Johann Neuhäusler
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gehärmten, blassen Gesichtszügen schaute ernst und kummervoll drein. Willy hatte das frohe Lachen ganz verlernt. Kein Wunder! Wir Neuangekomme- nen schauten mit Ehrfurcht, ja mit einem gewissen Grauen auf seine Häft- lingsnummer, die niedrigste, die mir unter das Auge kam, Nr. 9. Der brave Willy schmachtete schon seit 1933 hinter dem Stacheldraht von Dachau. Der arme Tropf mußte Grausiges miterlebt haben, so menschenscheu und wort- karg war er geworden. Trotz unserer politischen und religiösen Gegensätze verband mich mit diesem Kommunisten fast 30 Monate lang echte, aufrichtige Freundschaft. Nie entschlüpfte ihm ein hartes Wort, nie tat er einem Leidens- genossen weh, immer reichte er jedem, wo es nur ging, eine hilfreiche Hand. Wenn wir in Dachau nur Blockpersonal und Capos wie Willy Bader gehabt hätten, wären Tausende Kameraden am Leben geblieben. Willy Bader ging in seiner Herzensgüte sogar so weit, daß er, trotz Androhung schwerster Strafen, uns Geistlichen half, den Sterbenden die heiligen Sakramente zu spenden. Leider ist dieser kreuzbrave Mann vor der Befreiung gestorben.

Joos(Leben auf Widerruf) widmet diesem Kommunisten folgenden Nachruf:Der interessanteste unter den kommunistischen Häftlingen war wohl Willi Bader, der 1943/44 Ältester vom Zugangsblock war, ein Trans- portarbeiter von Ludwigsburg. Er konnte von sich sagen, über seinem roten Winkel eine der ältesten Nummern des Lagers Dachau zu tragen, nämlich Nr. 9. Dieser Mann war die Gerechtigkeit und Gewissenhaftigkeit selber. Von ihm wird der Ausspruch berichtet: ‚Ich frage mich jeden Abend, ob ich einem Kameraden in der Stube heute Unrecht getan. Er starb im März 1945 an Hungertyphus. Die Kameraden legten ihm die ersten Frühlingsblumen auf den Totenschrein, in dem ihn die von der Totenkammer aufgebahrt hat- ten. Und es gab sehr, schr viele, nicht zuletzt Priester, die um ihn trauerten.

Unser Stubenältester Kopp war Rechtsanwalt in Frankfurt am Main. Ein mittelgroßer Mann in den vierziger Jahren, korpulent, mit intelligentem Blick, flottem, autoritätsgebietendem Auftreten und gewinnendem Gesichts- ausdruck. Gegen alle Leidensgenossen blieb er stets höflich. Nur jene, die Kameradschaftsdiebstahl betrieben, spürten seine harte Hand. Im dienst- lichen Verkehr mit der SS spielte Kopp den schlauen Diplomaten. So hielt dieser taktvolle Rechtsanwalt seine Stube in mustergültiger Ordnung und be- saß dabei die Anhänglichkeit aller anständigen Mithäftlinge. Wo nur zu hel- fen war, sprang er ein. Täglich plauderte ich viele Stunden lang mit ihm. Als gläubiger Katholik schloß er sich gerne uns Geistlichen an, ohne der Über- zeugung anderer Leidensgenossen nahezutreten. Kopp hat es glänzend ver- standen, manche tieftraurige Stunden unseres vierwöchigen, leidensreichen

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