Der Heiland feierte bei den eucharistischen Weltkongressen in der goldenen Monstranz zum Jubel des katholischen Volkes herrliche Triumphe. Aber so oft Geistliche und Laien in Dachau schlicht mit den hl. Hostien in einem Stück Papier durch die Lagerstraße schritten, war die Verherrlichung Christi ergreifender und die Freude der armen Häftlinge inniger als die der Pilger bei gewaltigen eucharistischen Kundgebungen. Ein französischer Com- mandant d’Etat Major erinnerte uns einst an das große Wort Pascals:- „L’homme n’est grand qu’& genoux devant Dieu.“„Der Mensch ist nur groß auf den Knien vor Gott.“ Ja, viele Kameraden fühlten in Dachau, daß der Mensch sich nur stark fühlen kann, wenn er vor Gott auf den Knien liegt.
(Aus„Zeugen des Abendlandes“ von Pf. Goldschmitt, S. 50):
Gottes Gebot geht über SS-Anordnung
Die geistlichen Häftlinge nützten auch jede Gelegenheit, um den Laien- Kameraden Seelsorge angedeihen zu lassen. Freilich mußten sie dabei vor- sichtig sein, da, wie schon gesagt, einerseits jede Seelsorge verboten war, andererseits auch immer die Gefahr des Verrates bestand.
Ich mußte dies ja selbst erfahren. Ein ehemaliger Minister Italiens war in den Bunker gekommen. Noch am Morgen nach seiner Ankunft bat er mich bei einer kurzen Begegnung still um die Generalabsolution und nach ein paar Tagen um die Abnahme der Beichte. Als der Gang des Gefängnisses leer war, schlich ich mich in seine Zelle und erfüllte seinen Wunsch. Nach Schluß der Beichte kam aber der Hausl des Gefängnisses, ein Bibelforscher, in die Zelle. In der Ahnung, was geschehen sei, verriet er mich— trotz all der Wohltaten, die ich ihm schon im Laufe der Mitgefangenschaft erwiesen hatte. Der Haß gegen die Beichte war größer als die Dankbarkeit für Wohltaten. Zur Strafe durfte ich dann eine Woche lang nicht mehr an die Luft.
Den Priestern im Hauptlager war am meisten Gelegenheit zur seelsorg- lichen Tätigkeit im Revier gegeben, dies um so mehr, als vom Jahre 1943 ab Geistliche dort als Krankenpfleger tätig waren.
„Selbstverständlich kümmerten sie sich auch um die unsterblichen Seelen jener Häftlinge, die geistlichen Beistand erbaten. Als zweimal der Typhus ausbrach, mel- deten sich viele Priester freiwillig als Krankenpfleger in die Seuchenlazarette. Vier Kollegen starben dort an Ansteckung.
Der bereits genannte pfälzische Pfarrer Fritz Seitz wat schon 1943 als Portier am Tor des Spitals angestellt. Frühmorgens schlich er zur Kapelle, nahm heilige Hostien aus dem Tabernakel, versteckte sie im, Zipfel seiner Unterkleider und brachte sie den Sterbenden. Als die Pfarrer später restlos aus dem Spital vertrieben wurden, schlichen sich einzelne Priester trotzdem mit Hilfe katholischer Häftlingsärzte immer
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