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Wie war das in Dachau? : Ein Versuch, der Wahrheit näherzukommen / von Johann Neuhäusler
Entstehung
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auch innerhalb des Blockes unter Androhung schwerster Strafe. Auch alle

Breviere, Rosenkränze usw. wurden ihnen genommen.

Ohne Pracht, aber mit Andacht

Vom Jahre 1942 ab hörte die gemeinsame Konsekration auf. Wir kommu- nizierten wie die Laien. Es war ergreifend, wenn vier Confratres in arm- seligen Häftlingskleidern, oftmals barfuß, mit dem Ziborium von Reihe zu Reihe schritten. Jeden Sonntag hatten wir vor dem Appell eine Frühmesse, und um 8 Uhr ein feierliches Hochamt mit Predigt. Die großen Feste wie Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Allerheiligen... gestalteten sich ebenso

würdig und weihevoll wie in einer Kathedrale.

Priesterweihe im KZ

Wir erlebten in Dachau auch eine Priesterweihe. Seit Ende 1939 schmach- tete der schwer lungenkranke Diakon Karl Leisner, aus der Diözese Münster, in Dachau. Oft habe ich ihm Hoffnung gemacht, Gott werde ihm sicher das hohe Glück schenken, in der Heimat die Priesterweihe zu empfangen. Leider ging es mit ihm gesundheitlich immer mehr bergab. Im Herbst 1944 schwand jede Aussicht auf Rettung. Doch der liebe Heiland erbarmte sich des Diakons. Im September 1944 kam Msgr. Piquet, der Bischof von Clermont-Ferrand, als Häftling zu uns. Nun begann eine illegale Korrespondenz mit Kardinal Faulhaber aus München und dem Bischof von Münster. Sämtliche zur Priester- weihe nötigen Papiere kamen an. Geheim fabrizierten Häftlinge bischöfliche Gewänder und alles andere, was zu einer solchen Feier gehört. Ring und Brustkreuz lieferten die Messerschmitt-Werke. Der Trappistenpater Spitzig drehte den Hirtenstab. Der Stoff für die violette Soutane und das Män- telchen kam von der Beute, die sich Nazi-Diebe im Judenviertel von War- schau geholt hatten. Der englische Oblatenpater Durand stellte aus Seide und Perlen eine Mitra her. Von Kardinal Faulhaber erhielten wir aus Mün- chen die nötigen Ole und die Ritualbücher. Alles verlief so vorsichtig und gcheim, daß nur vereinzelte Priester unseres Blocks es merkten. Kein Nazi ahnte etwas, weder von der Vorbereitung noch von der Zeremonie selbst.

Am 18. Dezember 1944 stand dann der junge Diakon, eine schlankgewach- sene Gestalt, mit vor Fieber glühenden Wangen in unserer Stube Nr. 2. Der Bischof legte die Pontifikalgewänder über sein Häftlingskleid. Ach, alles so armselig, und doch paßte es zu unserem Milieu. Die Prozession bewegte sich zur nahen Kapelle. Alle Seminaristen, auch viele Laien, sowie die ehe-

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