die aus den unbeschreiblich verschmutzten Wagen herausgeschaufelt werden mußten. Sechs Leichen waren angenagt, an einzelnen Körperteilen bis auf die Knochen, nicht: von Tieren, sondern von den hungernden Kameraden. Kannibalismus im Jahre 1942 ın Zentral-Europa! Die Überlebenden zogen im Desinfektionsbad nackt an uns vorüber, ein grauenerregender Zug von gespensterhaften, schwankenden Skeletten, mit stierem Blick aus tiefen Augen- höhlen, ein Totentanz, wie ihn die Phantasie des Totentanz-Malers Holbein nicht erschreckender ausdenken konnte. Nach wenigen Wochen war. der ganze Transport ausgestorben. Andere Transporte von Großrosen und Mauthausen erinnerten daran. Der letzte am 28. Februar 1945, von Großrosen kommend,
zählte 80 Prozent Tote“(Joos, S. 147).
7. Christus im KZ Dachau
Wie die im Kapitel„KZ-Insassen“ wiedergegebene Statistik zeigt, befanden sich im Laufe der Jahre etwa 2720 Geistliche im KZ Dachau, darunter 2579 katholische. Als erster reichsdeutscher katholischer Geistlicher kam im Jahre 1940 Pfarrer Fritz Seitz aus der Pfalz ın das Lager.(Polnische Geistliche waren schon 1939 gekommen.)
„Kaum stand er bei der Ankunft in der Lagerstraße, da zog ihm ein SS- Mann mit viel Gespött den Rosenkranz aus der Tasche und legte ihn dem Geistlichen, mit dem-Kreuz über die Stirn hängend, auf den Kopf. Dann führte er ihn in dieser Ausstaffierung mit Faustschlägen und Fußtritten im: Lager umher, wobei er überlaut brüllte: ‚Der erste Saupfaff ist aus dem Alt- reich angekommen!‘ Seitz hatte in seinem Brevier ein Bild des Papstes Pius XII. Der SS-Mann hielt das Bild einigen Häftlingen unter die Nase und rief:„Der römische Oberpfaft wird mit allen andern Pfaffen nach dem. Krieg auch in Dachau eingesperrt. Dann hört der katholische Schwindel für immer auf!‘ Ein Madonnenbild gab diesem elenden Nazi Gelegenheit, derbe Witze über die Mutterschaft Mariens zu reißen, Lästerungen, die keine Feder wiedergeben darf.“(Goldschmitt:„Zeugen des Abendlandes“, S. 36.)
Die Zahl der Geistlichen im Lager wuchs sehr rasch. Anfangs wurden sie unter die anderen Häftlinge in die verschiedenen Blocks verteilt. Erst im Dezember 1940 wurden sie dann in einem Block(Nr. 26) zusammengefaßt. Dieser genügte aber nicht mehr, als fast alle im KZ Sachsenhausen—Oranien- burg inhaftierten Geistlichen nach Dachau gebracht wurden, besonders viele
Hunderte von polnischen Geistlichen.
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