Zeiten bestimmter Erleichterungen, die man den Gefangenen gewährte, durfte dieser Platz sonntags als Sportplatz dienen. Hier mußten die Gefangenen auch die„Siege Hitlers“ aus Lautsprechern vernehmen. Vom Appellplatz aus kam man zu einer herrlichen, mit Bäumen bepflanzten Alleestraße, an welcher die 30 Wohnbaracken der Gefangenen lagen, etwa 300 m lang und 30 m breit. Michelet nennt sie ironisch„Straße der Freiheit“.
Kantine
Die von Gefangenen geleitete Kantine der SS lieferte Zigaretten und ab und zu gewisse Lebensmittel wie Rübenmarmelade, Haferplätzchen, in Holz- essig konservierte Gurken, rohes Sauerkraut, saure Rüben, Schnecken u. a., alles ziemlich teuer, oftmals nicht mehr ganz gut, trotzdem aber von den ausgehungerten Gefangenen gierig verschlungen.
Das Museum
Das Museum, das in Gips gegossene Figuren Gefangener enthielt, die sich durch körperliche Gebrechen oder besonders charakteristisches Aussehen aus- zeichneten, wurde gern von Würdenträgern Hitlers besucht. Man gab sich eine Zeit lang aber nicht zufrieden mit dem bloßen Zurschaustellen von Gipsfiguren, sondern führte den Hoheitsträgern und Lagerbesuchern auf dem Wege zum Gefangenenbunker auch hervorragende Persönlichkeiten vor, höhere Geistliche verschiedener Bekenntnisse, u. a. z.B. Bischof Kozala, ferner Staatswürdenträger aus unterjochten Ländern, bekannte Künstler und Poli- tiker. Man verlachte und verspottete dabei diese Gefangenen und vergriff sich öfters auch rätlich an ihnen.
Die Lagerschreibstube,
von Gefangenen geleitet, führte eine Übersicht über alle Gefangenen, sowohl
jener vom Hauptlager wie auch aller in den„Außenkommandos“, gleich- zeitig auch die Kartei der Verstorbenen und der in andere Lager Über- führten oder Entlassenen. In der Schreibstube wurde auch die Post auf die einzelnen Blöcke verteilt. Der Lagerschreiber verfertigte in Zusammenarbeit mit den Blockschreibern täglich einen Bestandsbericht und gab diese An- gaben an den Lagerführer weiter. In der Schreibstube waren auch Dol- metscher für die verschiedenen Sprachen beschäftigt. An Hand der Kartothek stellte man dort auch die Transportlisten von Gefangenen zusammen, die von der SS ausgesucht und für andere Lager bestimmt waren.


