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Wie war das in Dachau? : Ein Versuch, der Wahrheit näherzukommen / von Johann Neuhäusler
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Gut organisiert zum Kommandieren und Regieren, Drangsalieren und Liquidieren!

Satan hat hier seinen Thron aufgerichtet(Geh. Oftbg. 2, 13).

Treten wir in seine Lagerresidenz, ıns Verwaltungsgebäude.

Es barg im oberen Stockwerk die SS-Behörde, die Schreibstube des Lager- führers und seiner Stellvertreter, auch die Büros des Gestapo-Vernehmungs- kommissars. Im Erdgeschoß waren die Schreibstuben der Rapportführer und die Wachstuben.

Zu den Wirtschaftsgebänden

gehörten umfangreiche Magazine, Effektenkammern zur Aufbewahrung pri- vater Sachen der Gefangenen, eine große Duschanlage für etwa 150 Per- sonen, ferner eine große, neuzeitlich eingerichtete Küche, Keller, Wäscherei

und Kleidermagazine. Bunker

Zu ihm führte vomJourhaus eine Straße, die dadurch bekannt war, daß dort die Gefangenen für das geringste Vergehen bei Regenwetter, Frost oder Hitze mehrere Stunden lang stehen mußten.

Von der Küche sowie von den Wirtschaftsgebäuden aus führte ein Weg durch Blumenbeete zum

Appellplatz,

auf dem täglich die lästigen Morgen- und Abendappelle stattfanden. Hier wurden den Gefangenen auch in Gegenwart aller Versammelten zu be- stimmten Zeitabschnitten körperliche Züchtigungsstrafen verabreicht, ganz besonders solchen, denen ein Fluchtversuch mißlungen war. Von diesem Platz aus marschierten die Arbeitskolonnen jeden Tag ab zu den Arbeits- stätten und kehrten mit einem Lied auf den Lippen(!) hieher von der Arbeit zurück, zu gewissen Zeiten sogar im Marschtakt, den das Lager- orchester angab. Auf diesem Platz wurden des weitern die berüchtigten Aus- lesen nackter Gefangener für denInvalidentransport(für die Vergasung) vorgenommen. Hier standen nach dem Appell hilflos die kranken Gefange- nen vor dem Rapportführer und baten um Überweisung in das Revier. Zu

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