mein Buch„Kreuz und Hakenkreuz“, München 1946, I. Teil, Ss. 22). Und selbst dann, als sih am 29. April 1945 die Tore des Zwangslagers Dachau öffneten, schwand noch lange nicht alle Dunkelheit über dieser Brut- stätte von Verbrechen und Knechtung; denn vieles, was der Welt in Zahlen und Namen hätte zeigen können, welche Unmensclichkeiten und Grausam- keiten hier begangen worden waren, war von den Verantwortlichen im letz- ten Augenblick vernichtet worden.
So konnte dann vieles vertuscht und abgeleugnet oder bagatellisiert und als bloße Kriegspropaganda der Alliierten erklärt werden.„Kein Aufhebens mehr davon machen! Gras darüber wachsen lassen!“, wurde schließlich da und dort laut oder leise als Parole ausgegeben.
Und das ist’s, was uns vom Ausland mit Recht verübelt würde. Damit be- gingen wir auch ein neues Unrecht gegen die Todesopfer des KZ, deren letzte Bitte war:„Sprecht es aus, was sie mit uns angestellt haben!“. Damit bräch- ten wir auch uns selbst um die Lehren, die uns all dies Traurige geben kann, und setzten uns neuer Gefährdung aus.„Nur die Wahrheit wird uns frei- machen“(Joh. 8, 32), wird uns gegenüber Gott und Mitmenschen ein ehr- liches„mea culpa“ sprechen lassen und zur Sühne und Wiedergutmachung
drängen.
Auch wir Deutschen müssen uns zu eigen machen, auf unser Tun im Dritten Reich sagten:
„Wir wollen verzeihen, aber nicht vergessen.“
was Engländer im Blick
Oder wie es in einer Besprechung des Buches von Edmond Michelet„Rue de la libert&“(„Straße der Freiheit“) noch schöner gesagt ist:„Niemand, der es selbst liest, wird versucht sein, zu vergessen, was für ein Ort Dachau war. Aber das Herz des Christen hat verziehen!“
Das muß auch uns Deutschen Richtlinie sein: So fern uns jeder Haß und jede Rache ist, so gern wir allen, die in Bosheit oder Verblendung oder Ver- führung gefehlt haben, in christlicher Liebe verzeihen wollen, so wenig wol- len wir leugnen und vergessen, in welche Abgründe satanischer Ruchlosigkeit, Überheblichkeit und Gottlosigkeit jene sanken, denen das deutsche Volk lei- der mit dem Stimmzettel die ganze Macht in die Hand gab. Und wir dürfen und wollen nicht vergessen, woZu Entchristlichung führt, wessen der Mensch fähig ist, wenn er den Glauben an Gott verliert und sich keinem höheren Recht verantwortlich glaubt. Er kann dann wirklich zur Bestie, zum Satan
werden. Der Glaube kann die Würde des Menschen nicht hoch genug erheben und
spricht darum zum Schöpfer:
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