des Bunkers und, besonders im ersten Jahr, im Gefängnishof geschah(Auf- hängungen!).
Im übrigen wird kein einzelner, wäre er auch vom ersten bis zum letzten Tag des KZ Dachau dortselbst gewesen, die ganze Wahrheit über Dachau aufzeigen und eine volle Antwort geben können auf die oft gestellte Frage: „Wie war das in Dachau?“, noch weniger auf die Fragen:„Wer war in Dachau?“(Zahl der dortigen Häftlinge von 1933—1945!),„Wer ist im KZ Dachau gestorben?“
Die Antworten auf solche und ähnliche Fragen weichen himmelweit von- einander ab; z.B. schwanken die Angaben oder Schätzungen der Todesopfer von Dachau zwischen 20 600(Bürgermeister a.D. Zauner, Dachau) und 238 756(Pastor Niemöller nach einer Lagerinschrift vom Jahre 1945, ebenso auch Slew Gardner in„Sunday Express“ vom 10. Januar 1960).
Woher diese große Unsicherheit und krasse Verschiedenheit? Liegt es etwa am Mangel guten Willens zur Wahrheit, an Schulderkenntnis und-bekenntnis, an Genauigkeit und Ehrlichkeit?
Ich möchte es nicht glauben. Des Übels Wurzel scheint mir viel tiefer zu liegen: in dem gewollten Dunkel, das über dem KZ Dachau von Anfang bis zum Ende lag, wie übrigens über allen KZ-Lagern und Vernichtungsstätten des Dritten Reiches.
„Das Böse liebt eben die Finsternis und scheut das Licht.“ Nicht einmal die nächste Umgebung, nicht einmal die Bürgerschaft von Dachau konnte diese Nebeldecke durchstoßen. Wie oft suchte ich selbst von einzelnen ent- lassenen Häftlingen etwas zu erfahren! Umsonst! Sie schwiegen und baten, nicht weiter zu fragen. Darüber zu reden konnte lebensgefährlich werden, konnte tatsächlich„Befreite“ alsbald neuerdings nach Dachau bringen, konnte auch jeden Außenstehenden, der davon zu sprechen wagte, ins Gefängnis bringen, auch wenn er nur Wahres berichtete, wie Stadtpfarrer Dr. Emil Muhler von München und zwei seiner Hilfspriester. Ich selbst mußte dies ja auch erfahren. Gerade weil ich den Heiligen Vater, Bischöfe usw. auftrags- gemäß über nationalsozialistisches Unrecht informierte, mußte ich, wie die Gestapo sagte,„kaltgestellt werden“.
Pfarrer Franz Goldschmitt, der vom 16. Dezember 1942 bis Ende Mai 1945, also noch über die„Befreiung“ hinaus, im KZ Dachau war, sagt im Vorwort seines schon genannten Buches„Zeugen des Abendlandes“:„Geheim, ganz geheim habe ich Notizen gemacht, obwohl dabei schon der Strang am Hals kitzelte; denn wer Material gegen die Nazis sammelte und dabei er- wischt wurde, baumelte am Galgen.“(Näheres über diese„Vernebelung“ siehe


