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Wie war das in Dachau? : Ein Versuch, der Wahrheit näherzukommen / von Johann Neuhäusler
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Was ist der Mensch, daß du dich seiner annimmst? Was ist der Menschensohn, daß du dich um ihn kümmerst?

Du hast ihn nur um weniges den Engeln nachgestellt, hast ihn mit Ruhm und Glanz bekrönt.

Du hast ihm Macht verliehen über deiner Hände Werke, alles seinen Füßen unter- worfen.(Ps 8)

Der Unglaube aber kann den Menschen zum Tier, zur Ware und Nummer erniedrigen, kann ihn erbarmungslos mißhandeln, ja töten und wegwerfen. Die Feder wollte sich manchmal sträuben, Einzelheiten auch nur anzudeuten, viel weniger in ihrer vollen Grausamkeit und Unmenschlichkeit näher zu be- schreiben; aber es darf um der Wahrheit und Warnung willen nicht alles unterdrückt und vergessen werden.

Dachau kann und soll eine Lehre sein! Darum dürfen wir nicht davon schweigen, auch wenn die Erinnerung daran traurig und schmerzlich ist.

Und ebenso wollen wir nicht vergessen, was die gelitten haben, die im Kon- zentrationslager für ihre Überzeugung, vielfach auch gerade für ihren Glau- ben an Gott, für ihre Treue zur Kirche, ja für unser aller Freiheit und Recht gelitten haben. Mögen auch nicht alle persönlich schuldlos gewesen sein, auch sie mußten dort über Gebühr an Leib und Seele leiden.

Mit der Gedächtniskapelle, die gelegentlich des Eucharistischen Weltkon- gresses vor den Augen der ganzen Welt geweiht werden soll, wollen wir nicht bloß alle, die dort gelitten haben, ehren, sondern auch eine Stätte schaffen, an der für sie gebetet und für die Verbrechen ihrer Peiniger das Sühneopfer Jesu Christi dargebracht wird.

Verzeihen, aber nicht vergessen!

Dies sei auch das Leitmotiv für die nachfolgenden Darlegungen. Darum wer- den soviel wie keine Namen und Personen genannt, sondern nur Tatsachen und Geschehnisse berichtet, so zuverlässig sie gefunden werden konnten. Die Feststellung und Ahndung von Verbrechen wollen wir den Gerichten über- lassen. Im Bewußtsein, noch lange nicht hundert Prozent Richtiges oder gar hundert Prozent Vollständiges bieten zu können, heiße ich es einenVersuch, der Wahrheit näherzukommen:

Im Bewußtsein, daß andere viel mehr erfahren und erlebt haben als ich, lasse ich diese viel mehr zu Wort kommen als mich selbst. Für jede Ergänzung und Korrektur werde ich dankbar sein.

München, 17. Juni 1960: Johann Neuhäusler, Weihbischof

KZ-Häftling von Sachsenhausen Nr. 37 796 KZ-Häftling von Dachau Nr. 26 680