Nachwort
Als Dawidek die ersten Tagebucheintragungen in sein Schulheft schrieb, war er 12 Jahre alt. Auch ihm stand im Leben all das zu, was Millionen anderer Kinder in der ganzen Welt hatten: eine Mahlzeit, nach der man gesättigt aufsteht, möglichst hygienische Lebensbedin- gungen, dann die Schule, die man manchmal mehr, manchmal weniger liebt, Spiele mit Gleichaltrigen, die Lektüre geliebter, dem Herzen naher Bücher, einiger- maßen sorgliche Pflege, ein bißchen Freude undnicht all- zuviel Traurigkeit, hin und wieder eine Strafe für eine Unart, von Zeit zu Zeit eine größere Annehmlichkeit.
Das sind wohl bescheidene Ansprüche, und eine solche Kindheit könnte schwerlich als übermäßig glücklich be- zeichnet werden. Das wäre ganz einfach eine durch- schnittliche Kindheit.
Aber auch diese ärmliche, durchschnittliche Kindheit wurde durch eine der schrecklichsten Barbareien ver- nichtet, die die Geschichte der Menschheit je gekannt hat.
Dawid Rubinowicz wurde wie Millionen älterer und jün- gerer Kinder umgebracht, einzig und allein, weil er als Jude zur Welt gekommen war.
Die Eltern Dawids wünschten sicherlich ihren Kindern nichts anderes als das, was alle Eltern ihren Kindern wünschen, ganz unabhängig von Nationalität, Hautfarbe, Wohnort oder Lebensbedingungen. Dasselbe, was Sie, die diese Worte lesen, Ihren Kindern wünschen, was ich, die diese Worte schreibt, meinen Kindern wünsche. Gesund- heit, richtige Entwicklung des Charakters, ein bißchen 191


