Druckschrift 
Widerstand in Auschwitz / Bruno Baum
Entstehung
Seite
104
Einzelbild herunterladen

witz an. Die Gestapo hat sich zu allen Zeiten ihrer Mit- wisser entledigt, wenn sie für ihre Zwecke nicht mehr zu gebrauchen waren. Dieser Spitzel hatte viele Juden, die sich versteckt gehalten hatten, der Gestapo in die Hände gespielt, worauf diese Menschen dann nach Auschwitz transportiert wurden. Viele von ihnen lebten schon nicht mehr. Dieser Mann wurde nun von den empörten Häft- lingen aus der Quarantäne geholt und durch das ganze Lager geprügelt. Häftlinge aller Nationen beteiligten sich daran. Dann wurde er halbtot zu seinem Schutz von der SS in den Bunker geführt.

Das gleiche wiederholte sich, als ein deutscher Berufs- verbrecher aus einem Nebenlager kam, der dort Häftlinge stark mißhandelt hatte. Auch er wurde durch das Lager geprügelt. Er hing sogar schon am elektrischen Draht, konnte aber wieder freikommen. Die SS brachte ihn dann ebenfalls in Sicherheit.

Der schon erwähnte Banditenkapo Schulz, der sich nicht nur als Spitzel der politischen Abteilung betätigte, son- dern der auch wegen seines wilden Prügelns der Schrecken der Häftlinge seines Kommandos war, wurde in der Silvesternacht 1944/45 vollkommen verschlagen auf dem Eis des Wasserbehälters im Lager aufgefunden.

Heinz Dürmayer

In der ersten Zeit waren alle Hauptstellen im Lager bzw.Lagerämter von kriminellen Banditen besetzt ge- wesen. Sie benutzten dies, um sich auf Kosten der übrigen Häftlinge ein besseres Leben zu verschaffen. Gleichzeitig waren die Kriminellen in Kapo- oder Blockältestenstellen, solche Häftlinge, die die Prügelaufträge der SS durch- führten. Es hatte sich sogar ein solcher Zustand heraus- gebildet, daß sie in vielen Fällen auch ohne direkten Auftrag wenn auch immer in allgemeiner Direktive

104

di