Zwar wußten wir genau, daß man uns hörte, aber weder der Londoner Sender noch die Weltpresse brachten unsere Nachrichten. Wir erlebten die Enttäuschung, daß uns nicht geglaubt wurde. Selbst diesen Stellen klangen unsere Berichte zu ungeheuerlich.
Erst Mitte 1944, als der Vormarsch der Sowjetarmee die Engländer und Amerikaner zur Errichtung der zweiten Front veranlaßte, begannen Veröffentlichungen großen Stils. Wir verfaßten nun einen Aufruf der Ge- fangenen in den deutschen Konzentrationslagern und hatten die freudige Genugtuung, diesen Aufruf wieder selbst beim heimlichen Abhören ausländischer Sender zu vernehmen.
Um dieser ganzen Arbeit eine gute Grundlage zu geben, schufen wir eine Redaktionskommission, bestehend aus dem ungarischen Kameraden Arbert Haas und dem deutschen Schriftsteller Otto Heller. Sie sammelten Material und schrieben Aufsätze. Aber auch andere Kameraden nahmen an dieser Arbeit teil. So schrieb ein- mal eine 17jährige jüdische Slowakin über ihre besonders grausamen Erlebnisse im Lager. Als wir diesen Bericht absandten, lebte die Schreiberin schon nicht mehr. Sie war inzwischen ein Opfer von Auschwitz geworden.
Arbeit der Redaktion
Der Kamerad Heller mußte sein Material am Ort seines Arbeitskommandos zusammenstellen und es dann an uns weiterleiten. Dazu benutzte er Zahnpastatuben, in denen sich die auf dünnem Papier geschriebenen Artikel gut verbergen ließen. Eine ähnliche Methode wandte auch Haas an. Die fertigen Arbeiten kamen danach zu mir und wurden meistens während der Nachtschicht in der kleinen Werkstatt der Wäscherei, in der ich vor Überraschungen sicher war, durchgesehen. Sicher deshalb,
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