ktl,
1943 und 1944 gab es bei der politischen Abteilung folgende neue Methoden. Die aus dem Reichsgebiet stammenden jüdischen Häftlinge erhielten die Erlaubnis, Karten an ihre noch erreichbaren Familienangehöri- gen zu schreiben. Die vorgedruckten Karten enthielten als Abgangsort den Ortsnamen Birkenau, der für den, der nicht wußte, was sich dort abspielte, einen lieblichen Klang hatte. Diese Karten wurden im Durchschnitt um etwa zwei Monate vordatiert, so daß, wenn sie bei den Angehörigen ankamen, die Betreffenden häufig schon nicht mehr unter den Lebenden weilten.
Ich glaube, all die geschilderten grausamen Vorgänge zeigen mit aller Deutlichkeit, an welchen Verbrechen die deutschen Monopole mit beteiligt waren. Absichtlich habe ich viele Beweisstücke zitiert und will dies auch fortsetzen, um in Verbindung mit meinen eigenen Er- fahrungen als mehrjähriger Häftling von Auschwitz auch einige bisherige Forschungsergebnisse über Auschwitz darzulegen.
Ich selbst bin im Jahre 1943 zusammen mit vielen anderen politischen Gefangenen aus dem Zuchthaus Brandenburg-Görden nach Auschwitz geschickt worden. Von den fast 150 Gefangenen, die mit mir aus dem Zuchthaus dort hinkamen, haben nur drei Auschwitz überlebt. In Brandenburg sagte man uns nicht, wohin die Reise ging. Im üblichen Zuchthaustransport fuhren wir bis Breslau. In den Kellern des dortigen Polizeipräsi- diums trafen wir mit vielen politischen Gefangenen aus Österreich und der Tschechoslowakei zusammen. Wir schlossen bereits hier untereinander Freundschaft. Das war um die Osterzeit, doch unsere Lage war mehr als trübe. Die Keller des Polizeipräsidiums, von Gefangenen überfüllt, standen teilweise unter Wasser, so daß wir uns nicht einmal setzen konnten. Weitere Transporte waren noch dazu angekündigt.
27


