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Beichte des Lagerkommandanten von Mauthausen / SS-Standartenführer Franz Ziereis
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das SS-Führerheim kommen lassen, sie geschlechtlich mißbraucht und ge- schlagen. Die verhängte Zuchthausstrafe wurde aber vom Reichsführer SS nicht bestätigt und Chmielewski lief bereits Anfang Dezember und im März 1945 in St. Georgen(Gusen), wo er seine Frau in einer eleganten Wohnung sitzen hatte, herum und verschwand erst wenige Tage vor dem Einzug der amerikanischen Truppen.

Sein Nachfolger in Herzogenbusch soll ein gewisser SS-Sturmbannführer Grundewald gewesen sein, der später zumTode verurteilt wurde, jedoch vom Reichsführer SS Himmler begnadigt und wieder als SS-Führer ein-

gesetzt worden ist.(G. hatte in einer Arrestzelle 40 Frauen eingeschlossen

und ließ sie dort alle ersticken).

Über den Verbleib Eigrubers erklärt Ziereis:

Der Gauleiter Eigruber ist meines Wissens auf eine Hütte gezogen, mit seiner Frau, einem gewissen Holzinger und SS-Sturmbannführer Peter- seil. Die Hütte befindet sich im Warscheneckgebirge, etwa 2400 Meter hoch. Es ist die Gegend, wo ich verhaftet wurde. Über den Verbleib der anderen kann vielleicht meine Frau, die mit der Frau des SS-Obersturmführers Mül- ler(Gusen I) in der Linzer Hütte zusammenwohnt, aussagen.

Ziereis wünscht jetzt, daß seine Frau möglichst schnell zu ihm kommt und schreibt folgenden Brief an sie:

Liebe Fraul

Ich wurde am 23.5. 1945, während Du einholen warst, von den Amerika- nern gestellt und verhaftet. Ich legte meine Pistole hinter einen Baum, der vier Meter von der Hütte entfernt ist, etwa Richtung Hütte, entlang des We- ges, der am Bach entlang in Richtung Liezen führt. Ich bitte Dich, den Her- ren, die Dich vernehmen werden, die reine Wahrheit zu sagen. Insbesondere bitte ich Dich, das wahre Bild der Berliner Vorgesetzten wiederzugeben und meinen Entschluß kundzutun; Du weißt ja, daß wir gemeinsam in den Tod gehen wollten, um unseren Kindern eine bessere Zukunft zu sichern. Bei der Verhaftung gingen mir die Nerven durch, ich legte meine Pistole an den bezeichneten Baum, obwohl ich die Pistole als Meisterschütze gebrau- chen konnte, Die Amerikaner haben sich einwandfrei benommen und meine Flucht mit der Waffe vereitelt Ich wurde zweimal getroffen und konnte mich nicht mehr erheben. Ich befinde mich jetzt im amerikanischen Krankenhaus in Gusen. Ich habe bei meiner Verhaftung, bzw. Vernehmung ausgesagt, was

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