mir auf Grund meiner Verletzung überhaupt möglich war. Ich habe noch Einzelheiten, die mir noch nach und nach einfallen werden, zu berichten. Bitte, komme und sage den Heıren, wie schäbig sich die Berliner einschließ- lich des Reichsführers SS verhalten haben. Sage den Herren, wie Sich ins- besondere der SS-Obergruppenführer Pohl gemein verhalten hat.
Dein Dich liebender: Franz. vage. v.g.u. als Zeugen Unterschriften.
Ziereis berichtet weiter: Ich weiß noch Einzelheiten von anderen Lagern. Im Jahre 1941 wurden sämtliche Kommandeure der Konzentrationslager nach Sachsenhausen befohlen, um zu sehen, wie man am schnellsten die ein- gelieferten Politruks und SU-Kommissare liquidieren könnte. In einer abge- teilten Baracke wurden an einem Kopfende die Kommissare und Politruks versammelt und bei einem laut aufheulenden Radioapparat einzeln durch einen dunklen Gang in die Hinrichtungshalle geführt. Auf der gegenüber- liegenden Seite der Baracke war eine aufgeschlitzte Latte, hinter der sich eine bewegliche Auflagevorrichtung für Gewehre und Pistolen befand. Aus diesem Schlitz heraus wurde durch Einstellung die Hinrichtung vollzogen (Genickschuß!). Die SS-Führer des Stabes Glücks waren dabei meist betrunken. Die Erfindung selbst wurde von SS-Oberführer Loritz ersonnen. Hinter den Delinquenten standen SS-Oberscharführer, die nach dem Schuß die Leiche auf ein Brett warfen und, während die Türen von außen geöffnet wurden, die Leichen auf Haufen schichteten. Es waren acht fahrbare Krema- torien gegenüber dem Leichenraum beständig in Betrieb. Die Tagesleistung schwankte zwischen 1500 bis 2000 Verbrennungen. Nach meiner Schätzung dauerte diese Aktion mindestens fünf Wochen. Als wir Kommandanten kamen, war die Prozedur bereits etwa 14 Tage im Gange.
In„Groß-Rosen" wurden Häftlinge vom Lagerarzt durch intravenöse Einspritzungen mit einer Zyankalilösung getötet. Der Lagerführer war SS- Hauptsturmführer Arthur Kögel.
InBuchenwald war ich, als ich noch bei der Truppe Dienst leistete, Zeuge, wie den jüdischen Häftlingen alle Wertsachen und alles Geld abge- ‚nommen wurden. Dort haben sich als SS-Führer besonders der Obersturm- führer Hackmann und der Untersturmführer Mayer, der ein weitschichtiger Verwandter des Reichsführers SS Himmler war, hervorgetan. Jeder schaffte sich sofort ein großes Auto an; Hackmann ging nurmehr mit Cut und Zy- linder und gestohlenen Brillanten an den Fingern herum und Mayer äffte
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