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Beichte des Lagerkommandanten von Mauthausen / SS-Standartenführer Franz Ziereis
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Aussage der Lagerschreiber Mauthausen I und II(Häftlinge Panek und Marschalek): Die Exekution sollte schon in der Nacht vom 28. zum 29. April 1945 stattfinden und zwar auf Befehl des damaligen Leiters der politi- schen Abteilung, SS-Obersturmführer Schulz. Die Exekution wurde mehrere- male verschoben. In der betreffenden Nacht um 23 Uhr verlangte der berüch- tigte SS-Hauptscharführer Spatzenegger(München) in Begleitung von mehreren Unterscharführern des Kommandanturstabes die Vorführung der gesamten Oberösterreicher. Alle SS-Männer waren mit automatischen Ma- schinenpistolen bewaffnet. Wir, Panek und Marschalek, verweigerten die Vorführung mit der Begründung, daß wir den Befehl hätten, sie erst am nächsten Tag in der Frühe stellig zu machen. Wir verwiesen auf den Schutzhaftlagerführer II, Altfuldisch, der uns auch tatsächlich diesen Befehl für den nächsten Tag erteilt hatte. Spatzenegger eilte mit seinem Trupp aus dem Lager. Wir hingegen verständigten die Osterreicher von dem ihnen bevorstehenden Schicksal. Diese unternahmen daraufhin sofort einen Fluchtversuch, der aber durch Mißgeschick und ein Eingreifen anderer Häftlinge vereitelt wurde. Spatzenegger kehrte in dieser Nacht nicht mehr zurück. Am nächsten Tage mußten sämtliche Österreicher vor der Schreibstube antreten. Einer fehlte, ein gewisser Dietl.(Er lebt und befin- det sich bereits in seiner Heimat.) Er hatte sich im Sanitätslager verbor- gen. Die Angetretenen standen den ganzen Vormittag an der Häftlingsküche. Erst um 1 Uhr nachmittags wurden sie von dem SS-Oberscharführer Nie- dermayer in den Bunker geführt und dort von zwei weiteren Block- führetn, deren Namen unbekannt sind, niedergemetzelt. Der Prohaska war nicht anwesend. i

Den Verbleib oder das Versteck der Angehörigen des SS-Kommandan- turstabes Mauthausen teilt Ziereis ohne Zögern mit. Unter ihnen ist beson- ders der SS-Sturmbannführer Slupetzki interessant, der am 13. März 1944 den Block 15 in Gusen I mit ungefähr 170 SU.-Gefangenen auf Befehl des damaligen Lagerführers, SS-Hauptsturmführers Chmielewski, und des SS-Standortarztes, SS-Sturmbannführer Dr. Krebsbach, mit Cyklon-B-Gas vergaste; sämtliche SU.-Kriegsgefangenen wurden damals ausgerottet. Ziereis gibt an, von dieser Vergasung nichts gewußt zu haben. Chmie- lewski übernahm Ende 1941 ein Lager in Holland; Konzentrationslager Her- zogenbusch(Holländisch: Hertogenbosch). Er hat dort seine Gusener Häft- lingsbehandlungsart fortgesetzt. Er wurde später aus der SS ausgeschieden und angeblich mit zehn Jahren Zuchthaus bestraft, weil er sich ungeheure

Mengen von Schmuck, Edelsteinen, Seide, Stoffen usw. von den Häftlingen«

angeeignet hat; ferner hat er in Herzogenbusch weibliche Lagerinsassen in

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