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Tatsachen klagen an! : Berichte der Überlebenden / hrsg. vom Rat der Stadt Dresden, Soziale Fürsorge, Kommunale Hilfsstelle: Opfer des Faschismus
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zu eng, es wäre auch sinnlos. Der ganze Körper brennt. Nur die Füße brerden ewig kalt. Der Zug rollt, bleibt stehen. Wir sind da.Raus raus raus! Wir stehen im Nu, werden ein paarmal durchgezählt....Das Ganze marsch!.... Aufgehen... aufgehen!.... Nun ziehen wir eingehakt, die Toten, Zerschlagenen und Verletzten mit uns schleppend, dem Lager zu. Aufgehen, aufgehen! Es folgen Kolbenstöße und Fußtritte.... Aufgehen, aufgehen!.... Ihr Dreckhunde... wollt wohl nicht, he, was....

Endlich sind wir im Lager. Alle zittern vor Kälte, haben tiefe Augen⸗ ringe. Noch mancher ist unterwegs zusammengebrochen. Jetzt geht es durch das Tor. Noch einmal zusammenreißen, willst du nicht noch im letzten Moment ein Opfer werden. Denn hier steht SS an SS, Scharführer an Scharführer. Wehe, wenn ihnen dein Gesicht nicht gefällt! Von hier aus fieht man den Kamin des Krematoriums. Aufmarschieren Appell. Jacken auf! Wir werden durchsucht, nach Holz und anderem. Fast jeder hat ein Stück Holz bei sich ich auch. Wollen doch für ein paar Minuten ein Feuer anmachen, uns nur einmal etwas erwärmen. Aber das ist streng verboten. Die Durchsuchung dauert stundenlang. Mein Magen dreht sich, ich krümme mich vor ungeheuren Schmerzen, mir steht kalter Schweiß auf der Stirn. Ich muß mich an meinem Nebenmann festhalten. Ich will nicht aber mir läuft es an den Beinen herunter. Was will ich machen den anderen geht es allen genau so... Abrücken! Der Appell ist zu Ende. Jetzt ist es 8 Uhr. Wie ein Ameisenhaufen sieht der Appellplatz aus. Alles geht und rennt durcheinander. Aber jeder hat sein Ziel: seinen Block. Ich gehe in meine Autogarage und suche Wasser.Du, wo ist Wasser?Zu was Wasser?Habe meine Hose voll.Gibt im ganzen Lager kein Wasser nur für die Küche.. die werden wieder trocken...!

Brotempfang. Ist gerade 8 Uhr. Gestern nachmittag 4 Uhr hatten wir das letzte Stück Brot gegessen. Es wird 9 Uhr werden, bis wir zum Liegen auf dem Zementboden kommen. Ich verkaufe mein Brot an einen anderen Häftling für Holzkohle. Kann ja doch nichts essen, habe solche Schmerzen und Durchfall. Auf den Abort kann ich nicht, stebt schon eine große Kette, baben alle die Ruhr. Ich gehe ins Revier.

Tote und Kranke sehen sich hier gleich

Nie wieder gehe ich ins Revier. Lieber will ich im Schacht verrecken oder auf der Straße liegenbleiben. Keiner der Kranken ist verbunden, viele haben große Wunden und Brüche von den täglichen Unfällen durch herabstürzende Sand⸗ und Steinmassen. Oft werden bei diesem Tempo, das bier herrscht, ganze Kolonnen verschüttet. Dazu kommen die Verletzten der täglichen Strafaktionen und die Opfer der SS, die drei, vier Tage und Nächte lang am Zaun wegen irgendeiner Kleinigkeit stehen müssen, bis sie vor Hunger und Ermattung zusammenbrechen.

Sehr stark leiden die Häftlinge hier an offenen Beinen die meisten haben die Nuhr, sind alles Muselmänner. Nur noch Knochen, haben tiefe große Augen, rühren sich nicht mehr und sehen aus wie Kinder. Zu viert liegen sie immer in einem Bett, ohne Laken, drei Etagen übereinander. Die Betten stehen so eng, daß man kaum hindurch kann. Zur Zeit liegen über 3000 im Revier. Oft bleiben Tote tagelang im Bett neben ihren Kameraden liegen, obne daß die Pfleger es merken. Die Toten und Kranken seben sich

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