seinem Kameraden— er bleibt auf dem Platze; mehrere liegen schließlich zerschlagen am Boden. Und warum?
Ich sollte es bald erfahren, warum täglich diese Strafaktionen beim Schichtwechsel vorgenommen wurden, worin die Verbrechen bestanden, die so grausam bestraft wurden. Die Häftlinge, die sich vor bermüdung und Schwäche hatten nicht mehr halten können, hatten sich einen Moment gesetzt, waren aber von der herumgehenden SS oder Gestapo gesehen und ihre Nummer war aufgeschrieben worden.
Mit einem Male ertönte das Kommando:„Stollen F einmarschieren!“ Wir bewegten uns auf den hell erleuchteten Stollen zu. Von allen Seiten kommen Züge gefahren, Kipploren, mit Zement beladen; wir laufen über kreuz und quer führende Schienenstränge, über unseren Köpfen surrt ein riesiges Förderband, das den Sand aus dem Stollen über der Halde abwirft. Der Stolleneingang, das Förderband, alles ist durch riesige Netze und durch künstlich hingesetzte Bäume gegen Fliegersicht getarnt, alle Holzverschläge sind tarnungsgemäß angestrichen.—
Schweinfurter Kugellager
Wir marschieren in den Schacht F ein— es ist gar kein Schacht, nein— ein Tunnel, er führt direkt zu ebener Erde in den Berg hinein: eine stickige. von Rauch, Ol und Pulverdampf erfüllte Luft schlägt uns entgegen. Es zieht hier kolossal, von oben tropft uns Wasser auf den Kopf, überall, wo wir hintreten, stehen wir im Wasser. Züge, mit Zement und anderem Bau⸗ material beladen, fahren laut pfeifend, sich Platz verschaffend, ein und aus. Daneben läuft quietschend das immer mit Sand beladene Förderband. Wir gehen jetzt in aufgelösten Haufen im Wasser über Schienen, Sandhaufen, Schwellen, uns immer wieder an die Seite drückend, damit die Züge vorbei können, tief in den Berg hinein.
Bis jetzt war es ein hoher beleuchteter Tunnel gewesen, beleuchtet und fertig ausgebaut waren auch die Seitentunnel, an denen wir vorbei⸗ gekommen waren. Aber nun müssen wir über Förderbänder steigen und weiter in den Berg hineinkriechen.... Wir sind an unserer Arbeitsstelle. Luftdruckhämmer, Spitzen, Schaufeln, Hacken usw. dort, wo unsere Kameraden im letzten Moment gearbeitet haben, dort haben sie ihr Werkzeug nieder⸗ gelegt, und wir nehmen es wieder auf und beginnen den Berg noch weiter auszuhöhlen, damit die großen Maschinen für die Erzeugung von Kugel⸗ lagern Platz haben; denn hier ist das Schweinfurter Kugellagerwerk unter⸗ gebracht worden.
Ich arbeite im Vortrieb. Die Bohrhämmer knattern, die Laufbänder quietschen, und donnernd rollt der Schall der Sprengungen durch die Stollen.
Sehr matt scheint hier das Licht. Oft zerreißen durch herabstürzende Sand⸗ oder Steinmassen die Drähte, und für Minuten erlöschen die Lampen. Schon flammt das Licht wieder auf. Auf uns wird eingeschlagen mit Stecken und Kabelstücken von den Steigern und Capos, so daß wir wild durch⸗ einanderlaufen. Wir stolpern über Schienen und Steine— hier und dort fällt einer hin; das ist ein Grund, ihn fertig zu machen. Der Steiger tritt mit seinen Stiefeln auf uns herum, als wenn er planieren wollte; dazu
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