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Tatsachen klagen an! : Berichte der Überlebenden / hrsg. vom Rat der Stadt Dresden, Soziale Fürsorge, Kommunale Hilfsstelle: Opfer des Faschismus
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Bel der Urbeitsformierung det Nachtschicht wurden Tragen an die Seite gestellt, die wir mitnehmen mußten

Als wir aus den Toren berauskamen, standen schon die SS-Kompanien 1 draußen. An jeder zweiten oder dritten Reihe links oder techts ging ein SS-Mann, mit Gewehr oder Maschinenpistole bewaffnet Außerdem wurden

eine Anzahl Wachhunde mitgeführt.

Aufgehen! Wir mußten so eng aneinander auftücken, daß wir mit der Brust den Vordermann berührten; so konnte man nicht richtig laufen sondern nur trippeln. Kranke mußten mit, solange sie sich auch nut im geringsten bewegen konnten. Vor mir lief einer das eine Hosenbein war vollständig zerrissen und mit Draht zusammengeheftet, auch die Schuhe waren mit Draht an die Füße gebunden, weil sie vollständig zerrissen waren Er stank furcht⸗ bat, er hatte, wie die meisten hiet. die Ruhr. Ich lag mit der Nase auf seinem Rücken und atmete den ganzen Weg den Gestank ein. Mein Neben⸗ mann hatte einen alten Russenmantel an, die Fetzen waren mit Draht zusammengehalten. Ich sah von der Seite, wie auf seinen Sachen die Läuse spazieren gingen. Mein Hintermann trat mit dauernd auf die Hacken der faulige Hauch eines kranken Menschen saß mir ständig im Nacken.

Schon während des Marsches zur Rampe fielen viele um.

Wie wir so durch den Ort zogen, binterließen wir einen furchtbaren Ge⸗ stank. Wir durften ja wähtend des stundenlangen Appells und des Matsches nicht austreten, und fast alle hatten Durchfall odet Ruht.

Wir waren ein einziger stinkender, dreckiger, verlauster Haufen!

Achtzig Prozent aller Häftlinge waren krank.

Nachdem wir den Ort Melk passiert hatten, sahen wir auf der rechten 1 Seite eine breite Holztreppe zum Bahngleis hinaufführen und eine sich lang hinausziehende Verladerampe. Jetzt bogen die ersten Reihen nach rechts ab auf die Rampe zu. Nie in meinem ganzen Leben werde ich diesen Anblick vergessen, der sich mir nun jeden Tag bieten sollte. So wie wir marschiert waren bis jetzt, eingehakt zu fünfen. ging es die Treppe hinauf, keine Stufe konnte ausgelassen werden, so daß der Kopf des Hintermannes immer den Hinteten des Vordermannes im Gesicht hatte. Ein gewaltiges schauriges Bild, wie wir viele Tausende die Treppe hinaufstiegen. in unseten Zebra⸗ lleidern. Mein Nebenmann sagte:Der Pyramidenbau ist kein Vergleich.

Auf der Rampe mußten wir antreten. immer zehn Mann in einer Reihe. Wir standen stundenlang in Sturm und Schnee, in eisiger Kälte in unseren zerrissenen Klamotten und warteten, bis der Zug kam. Austreten war streng

verboten, alles Bitten darum war umsonst.... Als Antwort bekamen wir zu hören:Scheiß in die Hosen!.... Und es blieb uns auch nichts anderes übtig.

Endlich kam der Zug. Jetzt stiegen wir immer zu zweien eingehakt, da⸗ mit wit beim Einsteigen schon wiedet gezählt werden konnten 160 Mann in den Viehwagen ein. Die Mitte des Waggons aber mußte für vier SS-Männer freigelassen werden. Dies wat unmöglich.... Aber die SS machte das Unmögliche möglich. Mit Gebrüll. Fußtritten und Kolbenschlägen

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