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Tatsachen klagen an! : Berichte der Überlebenden / hrsg. vom Rat der Stadt Dresden, Soziale Fürsorge, Kommunale Hilfsstelle: Opfer des Faschismus
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Melk, ein Lager in Oberdonau

Uls wir in Melk ankamen, waren wir vollständig erschöpft.Raus! Alles raus] Antreten zu Fünfen! Einbaken! Wir mußten uns einer bei dem anderen einbenkeln, dann hieß es:Das Ganze marsch! Das alles ging nicht ohne Brüllen und Schlagen ab. Nun liefen wir vom Bahnhof durch den Ort Melk an der Oberdonau. Es lag viel Schnee und es war sehr kalt. Als wir den Berg beraufliefen, konnten wir von oben die Donau seben. Ich suchte mit den Blicken das Lager. Auf diesem Marsch wurde nur geschlagen und gebrüllt:Aufgehen, aufgehen!

Nach einem halbstündigen Marsch kamen wir in eine Kaserne. Am linken Gebäude stand: Freiherr von Birolo Pionierkaserne. Jetzt sahen wir das Eingangstor vom Lager. Wir marschierten binein und mußten gleich auf dem Appellplatz Aufstellung nehmen.

Vor dem Tor sagte mir ein SS-Mann:Gib mir deine Schuhe. Er wollte meine Filzstiefel, die ich unterm Arm trug, die ich bei dem Durchein⸗ ander noch gerettet hatte...Drinnen werden sie dir sowieso abgenommen. Ich gab sie ibm nicht.

Viele Stunden standen wir in der Kälte auf dem Appellplatz und wurden dann in die einzelnen Blocks eingeteilt. Ich kam in eine Autogarage. In dieser Garage war es sehr kalt. Wir lagen auf Zementboden, auf nassem Stroh ohne Decken. Die Nacht über konnte ich vor Kälte nicht schlafen. Die Schuhe und alle Kleider hatte ich angelassen, da mir die Häftlinge vorher gesagt hatten:Wenn du dich ausziehst, brauchst du dich früh nicht mehr anzuziehen, denn hier mausen sie alles. Das hatte ich mir schon gedacht, als wir einmarschiert waren, denn alle Häftlinge waren vollständig zerlumpt und abgerissen. Ich unterhielt mich abends mit den Häftlingen und fragte, wie es hier im Lager sei. Man sagte mir:Monatelang haben wir schon keine Wäsche und Kleidung bekommen, Schuhe werden überhaupt nicht getauscht. Na, du wirst schon sehen...

Ein einziger stinkender, dreckiger, verlauster Haufen

Schon die erste Nacht fing es an, an mir überall zu krabbeln. Früh schaute ich mein Hemd nach und hatte schon alles voller Läuse.

Am nächsten Morgen wurden wir von der Schreibstube registriert. Bis wir alle erfaßt waren, war es unterdessen Mittag geworden. Dann hieß es: Blockappell,Essen fassen! Nun ging der Kampf um die Essenschüsseln los, denn wer keine Eßschale hatte, bekam kein Essen. Ich hatte das Glück, mir eine Eßschale zu erbeuten, und so ging es mir nicht wie den meisten anderen Zugängen, die tagelang ohne Essen blieben.

Abends faßten wir unser Brot und etwas Kaffee. Gleich darauf hieß es antreten, denn hier wurde in drei Schichten gearbeitet. Ich wurde an diesem Abend der Nachtschicht zugeteilt.

Mehrere Tausend standen auf dem Appellplatz. Auf einmal hieß es: Seitenmann! Vorderrichtung! Wir wurden mehrere Male durchgezäblt. Einbaken! Das Tor ging auf.Das Ganze marsch!

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