's ist Zeit, ihr Püppchen, angetreten! Was fällt euch ein denn, hinzuknien? Auf, laßt uns singen und nicht beten! Es scheint die Sonne in Lublin!“
Es sang ein Lied die deutsche Tante,
Strafft' sich den Rock und schritt voraus. Und dort, wo heiß die Sonne brannte, Zählt' sie uns nochmals vor dem Haus.
Zu hundert. nackt. in einer Zelle,
Ein letzter Kinderschret erstickt... Dann wurden von der Sammelstelle Die Schuhchen in das Reich geschickt.
Es schien sich das Geschäft zu lohnen. Das Todeslager von Lublin. Gefangnenzüge, Prozessionen.
Und— eine deutsche Sonne schien
Wenn Tote einst als Rächer schreiten Und über Deutschland hallt der Schritt,. Und weithin sich die Schatten breiten— Dann ziehen auch die Schuhchen mit.
Ein Zug von aber tausend Zwergen, So ziehen sie dahin in Reih'n, Und wo die Schergen sich verbergen. Dort treten sie unheimlich ein.
Sie schleichen sich herauf die Stiegen, Sie treten in die Zimmer leis'.
Die Henker wie gefesselt liegen
Und zittern vor dem Schuldbeweis.
Es wird die Sonne brennend scheinen, Die Wahrheit tut sich allen kund, Es ist ein großes Kinderweinen, Ein Grabgesang aus Kindermund
Der Kindermord ist klar erwiesen. Die Zeugen all bekunden ihn. Und nie vergeß ich unter diesen Die Kinderschuhe aus Lublin.
Johannes R. Becher.
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