Rußland ist für uns kein Problem mehr. Der Führer hat ja selbst in seiner letzten Rede erklärt, daß die russische Wehrmacht vernichtend geschla⸗ gen worden ist und die restlichen Teile der Einkesselung entgegengehen.“
Nachdem er diese Weisheiten, die mehr oder weniger in den Köpfen aller dieser SS- Herren herumspukten, von sich gegeben batte, entließ er mich in Gnaden“, nicht ohne mir vorher noch zu bedenken zu geben, daß es mein eigener Schade sei. wenn ich jetzt vor die Hunde ginge.
„Vielleicht“, rief er mir noch nach.„können wir, wenn Sie am Leben bleiben sollten, uns später darüber ausführlicher unterha“ en!“
Die Aussicht für mich, am Leben zu bleiben, war mehr als gering. Im Lager wurde mit Gefangenen, die nicht mehr leistungsfähig waren. kurzer Prozeß gemacht. Sie kamen einfach in die Gaskammer. Aber selbst für den
Fall, daß ich mich wieder erholen sollte, war die Aussicht, lebend aus dieser Hölle herauszukommen, gleich Null. Ich wußte genau. daß die Ss alle Leute im Lager, die zuviel wußten, umlegte. Dazu gehörte ich natürlich auch.
Also kam als einzige Möglichkeit nur die Flucht in Frage. Die Aussicht auf Flucht bot immerhin noch eine geringe Chance, wenn mein Körper⸗ zustand es erlaubt hätte, aber er erlaubte es nicht.
Wenn ich hundert Meter gegangen war, begannen mir die Knie zu zittern, es wurde mir schwarz vor den Augen, und wenn ich nicht sofort eine Möglichkeit fand, mich zu setzen, fiel ich um.
So wurde ich einmal in bewußtlosem Zustand von einem Kommando, das in den Lagerstraßen die Leichen zu bergen hatte, aufgelesen und hinter einer Baracke auf einem Platz, wo die Toten gesammelt wurden, mit auf den Haufen geworfen. Als ich nach einigen Stunden erwachte, lag ich unter einem Berg von Toten. Nur mit äußerster Mühe gelang es mir, mich ber⸗ vorzuarbeiten.
Endlich sah die Lagerleitung ein, daß ich hier nicht mehr zu verwenden war. Ich sollte mich zu einer Verlegung in ein anderes Lager bereithalten. Darüber war ich sehr erstaunt und konnte mir gar nicht erklären, warum man mich nicht umlegte. Bereits am nächsten Morgen, als ich mit einem Transport von zirka zwanzig Mann abgeholt wurde, glaubte ich, mein letztes Stündlein sei gekommen. Wir fuhren jedoch nur nach dem zwei Kilometer entfernten Todeslager. Dort sollte ich am Aufbau der sogenann⸗ ten Gaswagen mithelfen. Dies waren große, geschlossene Automobile, deren Verbrennungsgase durch das Wageninnere geleitet wurden und dadurch den Tod der Insassen herbeiführten.
Diese, wie sie allgemein genannt wurden— fahrbaren Krematorien— sollten in Serienfabrikation hergestellt werden. Wie ich hörte, war geplant, zehntausend solcher Wagen in kürzester Frist herzustellen, um hinter der kämpfenden Truppe herzufahren und die Menschen an Ort und Stelle zu töten. Da ich erfuhr, daß mit den ersten Versuchswagen auch mit uns Ge⸗ fangenen außerhalb des Lagers Probefahrten unternommen werden soll⸗ ten, blieb ich, eine Möglichkeit zur Flucht erkennend, hier.
Ein Gebäude. das einer Garage ähnlich war, wurde uns zur Verfügung gestellt. Mebrere Gefangene, reichsdeutsche Autoschlosser, bastelten nun den


