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Tatsachen klagen an! : Berichte der Überlebenden / hrsg. vom Rat der Stadt Dresden, Soziale Fürsorge, Kommunale Hilfsstelle: Opfer des Faschismus
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Det Gedanke bei der Austokkung ganzer Völker wenn auch fur ge⸗ zwungenermaßen and als winziges Räbchen in diesem gewaltigen Plechanis⸗ mus, mithelfen zu müssen, drückte mich zu Boden. Ich stand apathisch herum konnte keine Nahrung mehr zu mir nehmen. nachts fand ich keinen Schlaf.

Ein höherer SS-Führer den ich voll Verzweiflung bat, selbst mit hin⸗ gerichtet zu werden, da ich dieses Leben nicht länger ertragen könne, lachte mich jedoch ob meinerGefühlsduselei wie er es nannte, aus, und be⸗ quemte sich, einer Eingebung folgend, sich mit mir zu unterhalten. Ja, er ließ sich sogat herbei. mit. dem Gefangenen, eine Zigatette anzubieten. Im

Verlauf der sehr einseitig geführten Unterhaltung sagte et ungefäht folgen⸗ des zu mir:

Sie sind von Beruf Ingenieur: nun ich bin es im Zivilleben auch. Wir sind also gewissermaßenKollegen. Weltanschaulich durch vetschiedene Nationen getrennt. klaffen zwischen uns Gegensät

Sie sind Tscheche ich bin Deutscher, das besagt alles. Wenn es uns er meinte dabei die Deutschennun gelingen sollte, sagen wir einmal, das ischechische Volk zu 70 Prozent zu dezimieren er zog sein Etui aus der Tasche und brannte sich eine Zigarette an.wenn es uns desgleichen gelingt, die russische Nation zu vergasen, er sagte wörtlich vergasen! dann stehen uns diese Länder zur freien Verfügung. Der Boden, die Schätze der Natur gehören uns, nur die Menschen in diesen Ländern sind es, die uns stören, die wir zum Aufbau unserer neuen Weltordnung nicht brauchen können, also müssen sie verschwinden. Das ist doch klar, nicht wahr? Ich enthielt mich einer Antwort.Lassen wir also beispielsweise, um bei den Tschechen zu bleiben, die jungen Mädchen am Leben, rotten wir nur die Männet die Alten und Gebrechlichen aus, die ja sowieso zu nichts mehr nütze sind, so müßte es doch mit dem Teufel zugehen, wenn wir in diesem Lande sagen wir einmal in rund zwanzig Jahren nicht eine neue Generation heranzüchten könnten.

Durchsetzen wir es nun mit deutschen oder artverwandten Menschen, geben wir die Tschechin einem jungen deutschen Mann oder meinetwegen einem Holländer oder Dänen zur Frau, so haben wir nicht nur eine Blut mischung erreicht, sondern eine neue Generation erzogen, die in national⸗ sozialistischem Sinne denkt und handelt. Mit Rußland machen wir es ebenso, nur mit dem Unterschiede er zog bedächtig an seiner Zigarette und blies den feinen Rauch in die Luftdaß dort drüben die Ausrottung eine fast hundertprozentige sein muß. Wir können da nur Arbeitsbataillone ge⸗ brauchen, ähnlich dem deutschen Arbeitsdienst, die aber entmannt werden müßten, um nicht fortpflanzungsfähig zu sein. Dadurch können wir die Bodenschätze dieses Landes beben und sie der deutschen Wirtschaft zuführen.

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