Druckschrift 
Tatsachen klagen an! : Berichte der Überlebenden / hrsg. vom Rat der Stadt Dresden, Soziale Fürsorge, Kommunale Hilfsstelle: Opfer des Faschismus
Seite
6
Einzelbild herunterladen

des Meter im Geplert. In die Decke dieset Todeskammern waren Offnun⸗ gen eingelassen. in die eiserne Röhren führten. Durch diese Röhren ver⸗ damofte das zut Hinrichtung der Menschen bestimmte Gift. Zoklon B genannt.

In solchen Kammern konnten innerhalb zebn Minuten einige hundert Menschen bergast werden. Eine schwere Eisentllr. die bermetisch abgedichtet werden konnte, schloß die unglücklichen Opfer von der Außenwelt ab. Durch ein Fenster konnte man den Erstickungstod beobachten. Es wurden eine große Anzahl solcher Betonbunker gebaut. Die Krematorien waren Stein⸗ bauten mit Eisenkonstruktion. In ihnen befanden sich die Verbrennungs⸗ öfen. In jedem solchen Krematorium waren später ständig fünf bis sechs Ofen in Betrieb.

Die Ofen wurden zum größten Teil aus Schamottesteinen erbaut und mit eisernen Tilren verschlossen. In jeden Ofen gingen fünf bis sechs Leichen binein. Zu Zeiten, als die Verbrennungen sich bäuften, wurden aber auch bis zu zehn Tote hinein⸗ gezwängt. An jedes Krematorium schlossen sich Nebengebäude an, in die die Leichen bineingeworfen wurden. Dort lagen mitunter die Leichen zu Bergen getürmt. Besondere Kommandos hatten die Toten zu entkleiden, ihnen Schuhwerk und Wäsche abzunehmen. Was brauch⸗ bar wat, kam in das Lagetmagazin, unbrauchbare Gegenstände wurden mit verbrannt. Als ich einmal was streng untersagt war einen solchen Stapelraum betrat, fand ich Schuhwerk, das bis an die Decke gestapelt war. Es ist schwer, eine Zahl anzugeben, aber nach meiner vorsichtigen Schätzung dürften es fünfzebn⸗ bis zwanzistausend Paar Schube gewesen sein.

Häftlinge, ehemalige Schuster, suchten das brauchbare Schuhwerk heraus und führten es neuer Verwendung zu. Kinderschuhe zum Beispiel wurden nach Deutschland versandt und der NSV und den NSV⸗Kindergärten zut Verfügung gestellt.

gehntausende Gefangene kamen schon damals in diesem Lager vor Hunger und Entkräftung ums Leben. Weitere Hunderttausende wurden gemeuchelt. In der ersten Zeit, als die Anlagen noch nichtvoll aus⸗ gelastet waren, wurden die Gefangenen zu Tausenden in Gruppen in die Wälder der nahen Umgebung geführt und dort erschossen. In großen Gruben, die sie vorher eigenhändig ausbeben mußten, wurden sie ver⸗ scharrt.

Der Bauleitung sowie der Lagerleitung war aufgefallen, daß mein Ge⸗ sundheitszustand von Tag zu Tag schlechter wurde. Durch die seelischen Ein⸗ drücke, die ich empfing, war mein Zustand besorgniserregend geworden. Ich wat nur noch ein Schatten meiner selbst. Ich rechnete mir an den fünf Fingern aus, wieviel Menschen hier täglich, wenn die Anlagen erst einmal voll betriebsfälhig waren, getötet werden sollten, und kam zu einem Resul⸗ lat, das mich schwindlig werden ließ. Dabei war geplant, abnliche Lager nach Muster des Lubliner Lagers in allen andeten Gebieten des besetzten russischen Reiches zu errichten!