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Geissel der Menschheit : kurze Geschichte der Nazikriegsverbrechen / Lord Russell of Liverpool ; deutsch von Roswitha Czollek
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Am 26. Mai 1940, sechzehn Tage nachdem Hitler seine große Offensive gegen den Westen begonnen hatte, befand sich das britische Expeditionskorps überall auf dem Rückzug. Nur ein Teil der bri- tischen Kräfte hielt sich noch im Pas de Calais und sicherte die Kanal- häfen.

Bei Anbruch der Dunkelheit hatte das 1. Bataillon des 2. Regi- ments der SS-Totenkopfdivision den La-Bassee-Kanal überquert und eine Stellung in der Nähe von Mont Bernechon bezogen. Am nächsten Morgen stießen die SS-Leute über Le Cornet-Malo vor, und im Laufe des Vormittags erreichten sie die Ortschaft Paradis, wo noch Reste des 2. Bataillons des Norfolk-Regiments einschließlich des Bataillons- stabes lagen.

Um 11 Uhr 30 erhielt der rangälteste Offizier der Überlebenden, Major Ryder, der zu dieser Zeit das Bataillon befehligte, eine Mel- dung vom Brigadestab. Darin wurde ihm mitgeteilt, daß die Nor- folks abgeschnitten seien und von der Brigade keinerlei Unterstützung und keine Nachricht mehr erwarten könnten. Gegen Mittag, als die Munition verbraucht und weiterer Widerstand nicht mehr möglich war, zog Major Ryder die Außenposten zurück und beschloß, einen Übergabeversuch zu machen.

Der erste Versuch scheiterte. Drei Angehörige des Norfolk-Regi- ments, die sich ohne Schußwaffen mit einem weißen Handtuch ins Freie begaben, wurden von den Deutschen sofort niedergeschossen.

Beim zweiten Versuch wurde die Kapitulation angenommen.

Aus dem Friedhof und den umliegenden Häusern kamen etwa hundert Überlebende zusammen, die von den Deutschen gefangen- genommen wurden.

Eine Anzahl Schwerverwundeter wurde in den Kellern des Bataillonsstabes unter der Obhut des Sanitätsoffiziers zurückgelassen, die übrigen mußten auf der Rue Paradis antreten, von wo sie in westlicher Richtung abgeführt wurden.

Nachdem die Gefangenen eine kurze Strecke gegangen waren, hielt man sie wieder an, um sie zu durchsuchen. Dabei waren sie den ver- schiedensten Beleidigungen und schweren Mißhandlungen ausgesetzt. Viele wurden von den SS-Männern, deren Offiziere dabei tatenlos zusahen, mit Gewehrkolben über den Kopf geschlagen.

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