Jeder Bericht über diese verbrecherischen Organisationen wäre unvollständig, wenn man nicht auch mit einigen Worten die Hitler- jugend erwähnte, die das Treibhaus für die künftigen SS-Männer war.
Diese Organisation jugendlicher Fanatiker wurde von Baldur von Schirach in den Anfängen der Nazibewegung geschaffen. Ihre Mitglieder waren einer intensiven Beeinflussung durch die Nazipro- paganda ausgesetzt; man predigte ihnen die Ungerechtigkeit des Versailler Vertrages, die Notwendigkeit der Gewinnung von Lebens- raum, die Herrenrassentheorie, das Führerprinzip und viele andere widerliche Nazidoktrinen und lehrte sie, wie der Nürnberger Ge- richtshof in seinem Urteil sagte, die„edle Bestimmung der deutschen Jugend, für Hitler zu sterben“.
Von Schirach pflanzte„die große Tradition des Sterbens für eine heilige Sache in die junge Generation in der Gewißheit, daß ihr Blut einst den Weg in die erträumte Freiheit bahnen würde“.”
In den Jahren vor 1933, als die Nazipartei sich noch auf einem Tiefpunkt befand und das Tragen ihrer Uniformen illegal war, reiste von Schirach kreuz und quer durch Deutschland und forderte die deutsche Jugend auf, in die HJ einzutreten.„Die HJ“, sagte er,„ge- wann in dieser Zeit ihr bestes Menschenmaterial. Wer in dieser Ver- botszeit zu uns stieß..., setzte alles aufs Spiel... Wir fuhren mit Pistolen in der Manteltasche durch das Ruhrgebiet, während die Steine hinter uns herflogen.“
Damals gab es noch viele, die in Adolf Hitler nur den Empor- kömmling Schickelgruber sahen. Es war zu erwarten, daß ein Teil der älteren Deutschen, die die Traditionen des Hohenzollern-Deutsch- land kannten und zurücksehnten, nicht gerade begeistert mit dem neuen Regime zusammenarbeiten würden, ohne freilich aktiv da- gegen zu sein. So erschien es äußerst wünschenswert, daß eine neue Generation heranwüchse, die kein anderes Deutschland als das Hitlers kannte.
Aber die HJ diente nicht nur dazu, die jungen Menschen neben dem Schulunterricht mit der Ideologie und den Absichten der
* Aus einer Rede, die Raeder 1939 zum„Heldengedenktag“ hielt. Um welche
Freiheit es ging, erläuterte er an einer anderen Stelle dieser Rede, als er von der „Freiheit zur Wiederbewaffnung‘ sprach.
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