1. Wir war noch
em Leben
enttäuscht. Wir baten um eine richtige Waffe. Ludka wollte die Holzflinte nicht einmal in die Hand nehmen. Wir stritten mit unserer Instrukteurin herum, die schließlich nachgab und uns den Mechanismus des Revolvers und der Handgranate an Hand von Zeichnungen erklärte. Zu der nächsten Stunde brachte man uns schon einen richtigen Revolver und eine Handgranate.
Da erinnere ich mich auch an die Geschichte eines bestimmten Zusammentreffens mit dem polnischen Genossen Kazik Debiak, der von der„anderen Seite“ zu uns herüberkam. Wir trafen uns in einer Wohnung in der Nowolipiestraße. Man stellte uns an einen Vervielfältigungsapparat: wir gaben die erste illegale Zeitung in polnischer Sprache,„Schüsse“, her- aus. Kurz darauf folgte die jüdische Zeitschrift„Baginen“ („Morgendämmerung“). Unsere Zeitung enthielt viele Nach- richten über die Lage an den Fronten, aber das Hauptaugen- merk war auf die Alarmierung der Bevölkerung hinsichtlich der Gefahr, die dem Ghetto drohte, gerichtet.„Baginen“ machte die Juden darauf aufmerksam, daß die Nazis die Ver- nichtung der Ghettobewohner vorbereiteten.„Glaubt den Nazis nicht! Seid zum Widerstand bereit!“ lautete der Titel eines Artikels des polnischen Genossen Kazik Debiak, der von dem jungen Druckereiarbeiter Ignas Fajl ins Jiddische übersetzt wurde.
Wir konnten uns damals noch nicht vorstellen, auf welche Weise die Deutschen das Ghetto zu vernichten beabsichtigten, wir waren uns noch nicht im klaren, welche Formen unser Widerstand annehmen müsse, aber dessenungeachtet wieder- holten der Pole Debiak wie auch der Jude Fajl immer und immer wieder auf allen Versammlungen, daß man sich auf die schlimmsten Eventualitäten vorzubereiten habe, so schnell wie möglich schießen lernen müsse und unter den Juden im Ghetto eine möglichst große Anzahl illegaler Zeitungen ver- breiten solle. Das war Anfang 1941.
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