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Im Feuer vergangen : Tagebücher aus dem Ghetto / mit einem Vorwort von Arnold Zweig ; übertragen von Viktor Mika
Entstehung
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Brüdern saß und den jüngsten Bruder tröstete, der weinte, weil er sich fürchtete. Ich erklärte ihm, daß der Tod nur eine Minute dauere und daß er dann mit der Mutter, dem Vater und den anderen zusammen sein würde. Und er antwortete mir:„Ach, wie gern möchte ich es schon sein.“ Später sah ich im Traum eine ähnliche Begebenheit wie ich sie einmal im wachen Zustand gesehen hatte. Man hatte eine Mutter erschossen, aber ihr Kind blieb bei ihr in einer Blutlache sitzen, hielt den Kopf an ihre Brust und schlief. Später kam ein SS-Mann hinzu und schlug das Kind mit der Nagaika, damit es zusammen mit den anderen Kindern auf die Piaski ging, und das Kind schrie:„Mama, es tut weh!“ Das Kind stand dann auf und lief fort, aber der SS-Mann folgte ihm. Das Kind schrie. Am Ende entschloß sich der Mörder, das Kind auf der Stelle zu erschießen. Er zog den Revolver— ein Schuß fiel, und von diesem Schuß wurde ich wach. Offenbar mußte tatsächlich jemand in der Nähe der Baracke geschossen haben, aber das Weinen von Kindern und ein unterdrücktes Schluchzen erwachsener Menschen drang herüber von dem Platz hinter dem Stacheldraht, wo jene saßen und warteten.

4. KAPITEL

Noch töten sie uns nicht. Die Brigade wird vergrößert. Der Junge von der„arischen Seite“. Die Aussichten einer Flucht. Einer erhängt sich, einer entflieht.„Quatsch nicht soviel—

dreh dich um!“

Der Morgen graute. Nach und nach standen alle auf. Jeder ging nervös in der Zelle hin und her. Von weitem drang der Betrieb des Lagermorgens herüber. Langsam hörte der Lärm auf, und statt dessen erreichten uns die Musikklänge des „Todestangos“. Nun spielten sie ihn heute wohl auch be- stimmt für uns. Heute würde es der dritte Tag unserer Arbeit

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