Stunde der Befreiung. Die SS flüchtete Hals über Kopf vor der Sowjetarmee. Lagerkommandant Suhren und die übrigen Offiziere des Kommandanturstabes von Ravensbrück hatten sich längst in ihren Autos aus dem Staube gemacht. Sie hatten den letzten Auf- trag Himmlers nicht mehr ausführen können— die Ravensbrücker Frauen, die Männer aus dem KZ Sachsenhausen so, wie die Tausende Häftlinge des KZ Neugamme, auf ein Schiff zu jagen und in den Fluten der Ostsee zu ertränken.
Lachend und weinend stürzten sich die befreiten Frauen in die Arme. Sie waren frei, frei! Zu Ende war die Qual der jahrelangen Haft, vorbei die würgende ‚Angst vor der Vernichtung! Das Herz voller Dankbar- keit für ihre Befreier, zerstreuten sich die glücklichen Menschen in den Wäldern Mecklenburgs, um dann in die Heimat, zu ihren Familien zurückzukehren.
Einige Dutzend von ihnen gingen noch einmal nach Ravensbrück zurück. Die Solidarität mit den Kranken trieb sie dazu. Als sie am 1. Mai wieder vor dem großen eisernen Tor standen, verschleierten Tränen ihren Blick; über den Baracken wehten die roten Fahnen der kämpfenden Arbeiterklasse! Dort, wo noch vor Stunden die Vertreter des unmenschlichen faschi- stischen Systems gestanden hatten, standen nun die siegreichen Söhne des ersten sozialistischen Landes der Welt. Fest schlossen sich die Hände der Kamera- dinnen ineinander zu dem feierlichen Schwur: Nie wieder Faschismus und Krieg, nie wieder ein Ravens- brück!
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