Kindern, die sich jetzt noch in Ravensbrück befanden, in die Luft gesprengt hatten?
Plötzlich, am Vormittag des 27. April, stürzten SS- Wachmannschaften und Aufseherinnen in die Baracken und befahlen den Frauen, sich sofort auf der Lager- straße in Fünferreihen aufzustellen zur Evakuierung in ein anderes Lager. Sie brüllten und schlugen auf die verwirrten Frauen ein, Schüsse fielen irgendwo, Hunde sprangen an den Frauen hoch. Dann setzte sich Zug um Zug in Bewegung, von der SS mit entsicher- tem Gewehr eskortiert. Der letzte Transport verließ Ravensbrück am Nachmittag des 28. April. Nun waren nur noch die Häftlingsärztinnen Zdenka Nedvedovä und Mlada Tauferovä aus der Tschechoslowakei, Anto- nina Nikiforowa aus Leningrad und einige andere Ärztinnen und Pflegerinnen mit den 3000 kranken Häftlingen im Lager, die nicht evakuiert werden konnten. Die SS hatte Wasser und Strom abgestellt.
Am Mittag des 30. April erlebten die Frauen und Mädchen die Stunde, die sie in den Jahren bitteren Leids und tiefster Verzweiflung so oft herbeigesehnt hatten— die Stunde der Befreiung! Lachend und weinend zugleich liefen und krochen sie ihren Be- freiern entgegen, den Soldaten der siegreichen Sowjet- armee.
Inzwischen trieb die SS 20000 Häftlinge in die mecklenburgischen Wälder hinein. Welch ein Elends- zug ausgehungerter, mit schmutzigen, zerrissenen Fetzen bekleideter menschlicher Skelette! Nur mühsam schleppten sie sich vorwärts, von der SS immer noch beschimpft und geprügelt. Von Zeit zu Zeit fiel ein Schuß— die SS erschoß diejenigen, die nicht weiter- konnten. Der Donner der sowjetischen Geschütze kam mit jeder Minute näher. Mit dem einbrechenden Abend gelang es den ersten Häftlingen, in die Wälder zu fliehen. Die anderen verbrachten noch eine Nacht — die letzte— hungernd und frierend in der Gewalt der SS. Aber am 30. April schlug auch für sie die
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