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Meines Vaters Haus : ein Dokument / Artur Joseph
Entstehung
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Sessel, auf den sich nach ihm niemand mehr gesetzt hatte. Ich ging um den Tisch, zog die Schublade auf neben seinem Federhalter das kleine, von einem Lederetui geschützte Büch- lein, in das er vom Jahre 1895, dem Datum seines Eintritts ins väterliche Geschäft, bis zu seinem Tod mit eigener Hand die Umsätze eingetragen hatte. In den Seiten blätternd, folgte ich noch einmal der Zahlenreihe der Entwicklung, die sich von achtzigtausend Mark Jahresumsatz zu Anfang bis dicht an die Grenze von zwei Millionen 1914 vorgeschoben hatte. «Halt mir das Büchlein in Ehren», mahnte er mich einmal bittend. Nun steckte ich es in meine Brusttasche. Dann setzte ich mich auf das Sofa an der Wand gegenüber: oft hatten wir da beratend und planend verweilt, und vordem Ausmarsch in den Krieg hatte ich hier Abschied von ihm genommen.«Viel- leicht hätte ich dich reklamieren sollen», meinte er damals. «Du weißt, daß ich nicht mehr auf der Höhe bin, und gerade heute fühle ich, wie ich altere. Aber wir sind Deutsche, und Deutschland ist in Gefahr. Jeder muß seine Pflicht tun.» Und jetzt stieß dieses Deutschland mich aus, vertrieb mich von seinem Boden- nicht, weil ich mir etwas hätte zuschulden kommen lassen, nein, der Religion und Rasse wegen, in die ich schuldlos hineingeboren. Mir war zumute wie einem un- gerecht zum Tode Verurteilten, der unter den Hohnrufen des Mobs das Schafott besteigt.

Das war nun der Abschied von Haus und Hof, von der Stadt Köln, in der ich geboren war wie meine Frau und wie unsre Kinder. Und nun hieß es: in eine unbekannte Fremde ziehen, aus dem Land der Muttersprache insIrgendwohin wan- dern. Fortwährend dachte ich an das Geschäft. Warum war es gerade mir zugefallen, es aufzulösen! Dies Erbe des Vaters, das kein kalt auf Profit berechnetes Unternehmen war, das man leichten Herzens für Besseres aufgeben konnte. Hier sank das Erbe der Väter, das zu erwerben und zu besitzen mir gelungen war, dahin. Es gab keinen Raum für Trost. Langsam stand ich auf und trat noch einmal neben den Sessel des Vaters, wie früher oft. Dann öffnete ich leise die Tür und ging.

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