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Die Hundeblume : Erzählungen aus unseren Tagen / Wolfgang Borchert
Entstehung
Seite
31
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- Der Tag war wie alle anderen. Er unterschied sich

nur dadurch von ihnen, daß der Häftling aus Zelle 432 zum Ende der halben Stunde einen rasenden Pulsschlag bekam und seine Augen den Ausdruck von kaschierter Harmlosigkeit und schlecht ver-

deckter Unsicherheit annahmen.

Wir bogen in die vorletzte Runde ein- wieder wurden die Schlüsselbunde lebendig, und-.der Lattenzaun döste durch die sparsamen Sonnen- strahlen wie hinter ewigen Gittern.

Aber was war das? Eine Latte döste ja gar nicht! Sie war hellwach und wechselte vor Aufregung alle paar Meter die Gangart. Merkte das denn kein Mensch? Nein. Und plötzlich bückte sich Latte 432, fummelte an ihrem nuntergerutschten Strumpf herum und- fuhr dazwischen blitzschnell mit der einen Hand auf eine erschrockene kleine Blume zu, niß sie ab- und schon klöppelten wieder sieben- undsiebzig Latten in gewohntem Schlendrian in die letzte Runde.

Was ist so komisch: Ein blasierter, reuiger Jüng- ling aus dem Zeitalter der Grammophonplatten und Raumforschung steht in der Gefängniszelle 432 unter dem hochgemauerten Fenster und hält mit seinen vereinsamten Händen eine kleine gelbe Blume in den schmalen Lichtstrahl- eine ganz ge-

wöhnliche Hundeblume. Und dann hebt dieser . Mensch, der gewohnt war, Pulver, Parfüm und

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