behandelt werden. Beachten Sie, was die Geschichte dazu sagt: Im vorchristlichen Altertum der Großteil der Men- schen Sklaven; nur eine kleine Schicht frei. Bezüglich der Sklaven das Recht der Ausnutzung und der Tötung, wenn sie nicht mehr arbeitsfähig waren. Bildung, ärztliche Be- treuung, Rechtssicherung das Privileg der Oberschichten. Die Massen hatten in den Willkür-, Konkurrenz- und Beutekriegen der Cäsaren ihr Leben einzusetzen; die Gladiatoren hatten sich im Zirkus Maximus gegenseitig umzubringen, um einer entarteten Oberschicht Nerven- kitzel zu verschaffen. Mit diesen Dingen räumt doch erst das Christentum auf! Es verkündet die Gleichheit aller Menschen vor Gott und dämmt stufenweise die Sklaverei zurück bis zur Abschaffung. Es macht alle Menschen aus Rechtsobjekten zu Rechtssubjekten. Es macht mit seinen Pfarr- und Domschulen, mit seinen Universitätsgründun- gen die Bildung zur Sache der Allgemeinheit. Es be- gründet allüberall Krankenanstalten, Armen- und Waisen- häuser und führt sogar Prinzessinnen und Grafen zum Dienst in diesen. Es schafft ein humanes Völkerrecht, ächtet jeden Krieg, der etwas anderes ist als letztes Mittel im Dienst des Rechts und der höheren Kultur. Und nun, was zeigt sich in der Neuzeit? In dem Ausmaß, als das Christentum wieder preisgegeben wird, tritt neuerdings die Versklavung, der Mißbrauch der Menschen, ihre bloße Behandlung als Arbeitsmaschinen und Kanonenfutter auf. Nein, nein— wer auf Menschenwürde, auf Persön- lichkeitswürde Wert legt, der muß schon Christ werden! Sie erwarten das Paradies auf Erden? Bei der Sündhaftig- keit der Menschen, bei dem ungeheuren Hunger jedes Einzelnen, nach Entlarvung allen Fortschrittsgeredes als unsinnigsten Schwatzes? Wissen Sie, was ein großer Eng- länder sagt:„Gib heute einem Schuhputzer den halben Erdball, und er wird schon morgen mit dem Besitzer der anderen Hälfte Streit anfangen. Warum? Die Menschen- seele ist zu groß, um von irdisch Hab und Gut satt zu werden.“ Die größten Menschen finden diese Welt uner- träglich, wenn sie das Um und Auf sein soll. So sind sich denn alle wirklichen Genies von Plato bis Leibniz und
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