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Erlebnisse und Bekenntnisse : ein Kapitel Lebenserinnerungen des früheren Herausgebers der Zeitschrift "Das Neue Reich" und "Schönere Zukunft" / Joseph Eberle
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und Klugheit, oder auch seine Provinzlerei oder auch sein Zweifeln an den Predigten des Pfarrers ans Tageslicht. Und da wird der Proletarier auf einmal zum hemmungs- losen Ankläger, der nun wie eine automatische Uhr her- unterraspelt, was er in Leitartikeln seiner Zeitung gelesen, von den Vortragenden seiner Volkshochschule gehört, oder was er höchst persönlich für sich und zusammen mit Kollegen an Materialien gesammelt hat, an Materialien namentlich hinsichtlich Skandalchronik von Klerus, Adel und Bürgertum.

Nur bezüglich eines Punktes gab es auch im Gefängnis Diskretion', bezüglich der Dinge in den Konzentrations- lagern. Verschiedentlich tauchten in den Zellen Leute auf, die in solchen Lagern gewesen waren. Sie machten ge- legentlich wohl leise Andeutungen, hüteten sich aber im Hinblick auf das von der Gestapo auferlegte Schweige- gebot, vor genaueren Mitteilungen, aus Angst vor den furchtbaren Folgen. Gerade ihr Geheimtum erzeugte im- mer wieder eine außerordentliche Furcht vor diesen Lagern. So lag im Inquisitenspital durch Monate ein mit dem Eisernen Kreuz geschmückter Feldwebel aus dem ersten Weltkrieg im Nachbarbett. Er hatte sich immer wieder selbstverstümmelt, nur aus Angst, wegen seiner Flucht aus unangenehmem Arbeitseinsatz ins K.Z. zu kommen. Erst hatte er eine ganzeEisenhandlung(zer- brochene Löffel, Schuhnägel und dergl.) geschluckt bei der Operation kamen an die 30 Stück zum Vorschein! dann hatte er sich mit einem Tintenstift beide Augen ge- blendet; lieber fürs ganze Leben blind als ins K.Z. scheint seine Losung gewesen zu sein. Später dürfte er die Vergasung erfahren haben. An einem der letzten Tage meines Aufenthalts im Spital wurde gegen Mitter- nacht ein ungarischer Baron blutüberströmt in unsere Zelle gebracht. Er hatte die durch Gerichtsurteil verfügte Strafe regelrecht abgesessen, wurde aber nach Beendi- gung der Strafzeit nicht freigelassen, sondern neuerdings von der Gestapo übernommen, um in ein K.Z. überstellt zu werden. Aus Erschrecken darüber zerstach er sich beide Augen vollständig.

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