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man, wie armselig die unerlöste Kreatur ist. Und wie ähnlich es die Menschen oben und unten treiben. Manch ein Bankdirektor hat seine Maitresse, manch ein Prole- tarier seine Grisette. Der Fabriksherr ist regelmäßiger Be- sucher des Theaters, der Arbeiter regelmäßiger Besucher des Kinos. Vertreter der jeunesse doree(der goldenen Jugend) gehen zum bloßen Zeittotschlagen auf Reisen; Männer des vierten Standes machen mitunter durch Mo- nate im Jahre blau, fechten sich von Gewerkschaftsheim zu Gewerkschaftsheim in verschiedenen Ländern durch und machen alles mit, was in billigen Lasterhöhlen von Bukarest oder Paris mitzumachen ist. Es gibt oben grund- sätzlich Arbeitsscheue, Arbeitsverächter, aber auch unten solche, die erklären: Lieber stehlen, schmuggeln, Kassen erbrechen, als solide arbeiten. Die Massen-Presse, die um Sünden und Fehler nur im Bürgertum und bei Hof- gesellschaften weiß, ist pharisäisch. Das Sündigen im Be- reiche ihrer Gläubigen ist ebenso üblich und verbreitet. Man lernt im Gefängnis, wie erlösungsbedürftig die Menschheit ist.
Man lernt anderseits im Gefängnis das spezifische Denken und Fühlen einzelner Berufskreise: von Arbeitern, Bauern, Gewerbetreibenden in mancher Hinsicht fast besser ken- nen als außerhalb— einerseits im Hinblick auf das viele „Beichten‘‘, sodann, weil alles plötzlich sozusagen auf eine Ebene gerückt, auf dieselbe Sünderbank gezwungen, von allen Vorrechten und Gefährlichkeiten entkleidet ist, und weil so viele Hemmungen des Redens fallen. Wenn draußen der Bauer von einem Akademiker angesprochen wird, ist er nicht selten unbeholfen, stockend, konventio- nell, verschlossen; wird draußen ein Arbeiter vom Fabriks- herrn angeredet, so ist er unterwürfig, gefällig, vielleicht sogar schmeichelnd, auch wenn er im Herzen flucht. Im Gefängnis verschwinden die Unterschiede von Stand und Macht; da ist jeder in der gleichen Lage wie der andere, da braucht es keine Rücksichtnahmen mehr, und da redet nun jeder so, wie es ihn drückt und wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Da wird der schweigsame Bauer plötzlich redselig, und auf einmal kommt seine ganze Schlauheit
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