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— vor Gott sind wir alle Sünder. Und wir müssen Gott danken, wenn er uns Gelegenheit gibt, zu opfern und zu sühnen. Zu büßen für Fehler und Unterlassungen, füı Lauheiten und Halbheiten; für bloße Lippenbekenntnisse, wo heroische Taten hätten stehen müssen; für Weich- heiten und Bequemlichkeiten, wo Abtötungen am Platze gewesen wären. Jede Schuld verlangt Sühne. Es gäbe keine innere Überwindung, keine seelische Befreiung von der Schuld ohne büßende Genugtuung. Wenn Gottes Sohn selbst schwerstes Leiden auf sich nimmt, um fremde Schuld zu sühnen, so spricht das nicht nur für den unge- heuren Ernst der sittlichen Weltordnung; es ist auch ein Appell an die Menschen, ihrerseits im Willen für eigene Schuld durch Leiden zu büßen, nicht zurückzustehen. Nach der Entlassung aus leidvoller Gefängnishaft schwindet auch wieder manches vom Seelenaufschwung. So sehr hängt der Mensch an Erdenglück und Erdenschön- heit! Und bringen die Zeiten neues Leid— und der zweite Weltkrieg und was ihm folgt, überschwemmen die Men- schen geradezu mit Sturzfluten des Leids: es sinken Heim- stätten in Trümmer, es werden Angehörige verbannt, es werden heilige Denkmäler der Kunst und Kultur ver- nichtet, es wird das Vaterland ins Elend geworfen— SO ist immer neues Zittern und Zagen; und aus gepeinigtem Herzen schreit es zum Himmel:„Herr, wenn es möglich ist, laß diesen Kelch vorübergehen!” Aber wenn man ein- mal durch eine richtige Leidensschule gegangen ist, kann man nie mehr verzweifeln, sondern nur mehr— auch wenn das Herz stöhnt und Angstschweiß auf der Stirne steht— hoffen. Hoffen, daß der Passion neuerdings Segensgüter entströmen. Dieses aber nicht nur hoften, sondern fest glauben, nachdem es schon einmal als Tat- sache erlebt wurde.
Aber auch vieles andere lernte ich im Gefängnis. Man kommt da mit vielerlei Menschen zusammen. Nicht nur mit unschuldigen, sondern auch mit schuldigen, denen
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