Vorbereitung auf den Tod. Diese Vorbereitung einmal mit allem Ernst betrieben zu haben, mit einem halben Fuß bereits drüben gestanden zu sein, eine Generalprobe durchgemacht zu haben— das bleibt zweifellos dauern- der Gewinn. Man kann nie mehr ganz oberflächlich, ganz weltselig werden.
Ich erfasse seit der Gefängniszeit den Sinn des Leidens ganz anders wie früher. Früher erschien das Leid als ein bloßes Negativum, dem möglichst aus dem Weg zu gehen sei; erschien es nur als lästige Hemmung, nicht als Förde- rung. Wenn ich von der heiligen Theresia oder von Jo- hannes vom Kreuz las, sie hätten geradezu nach Leid ge- dürstet, so erschien mir das als krankhaft. Jetzt entdeckte ich das Positive des Leidens, sein Reifer- und Stärker- und Tiefermachen der Menschen. Jetzt lernte ich voll und ganz Sinn und Segen der Predigt von der notwendigen Kreuzes- nachfolge des Erlösers verstehen. Jetzt lernte ich be- greifen, wie ein Jacopone da Todi, nach der Überwindung des ersten großen Schmerzes über den Tod seiner heiß- geliebten jungen Frau, aber auch nach Erleben ungeahn- ten Seelenglücks nach geistiger Verbindung seines Opfers mit dem des Erlösers, geradezu weitere Heimsuchungen erbat. Jetzt lernte ich Silvio Pellico verstehen, der nach zwölf Jahren Gefängnis in Venedig und auf dem Brünner Spielberg(wegen politischer Umtriebe) gestand, erst die Erlebnisse und Erfahrungen dieser Jahre hätten ihm den vollen Sinn und Wert des Christentums geoffenbart. Jetzt lernte ich Dostojewski verstehen, der nach vier Jahren Gefängnis in Sibirien(wegen einer angeblichen Verwick- lung in eine Verschwörung gegen den Zaren), sagte:„Ich verfluche diese Zeit nicht, ich segne sie; denn sie erst hat mich zum Vollmenschen, zum Christen gemacht.” Jetzt begriff ich Goethes Verse:„Wer nie sein Brot mit Tränen aß, wer nie die kummervollen Nächte auf seinem Bette weinend saß, der kennt Euch nicht, Ihr himmlischen Mächte.“
Ich sprach oben vom Unrecht meiner Inhaftsetzung durch die Gestapo. Vom Leiden belehrt, im Gewissen geschärft, erkannte ich: Die Menschen mögen unrecht haben, aber
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