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Obwohl meine Gefangensetzung schwerstes Unrecht war und jedes Unrecht zu verdammen ist, so blicke ich heute doch ohne jede Verbitterung auf die Gefängniszeit zurück. Im Gegenteil, ich danke der Vorsehung für dieses„Inter- mezzo" in meinem Leben.Denn man kann sehr viel lernen, wenn man gezwungen ist, die Welt auch in ihren bitteren Tiefen zur Kenntnis zu nehmen; wenn man eines schönen Tages ganz arm und hilflos gemacht und Verbrechern gleich behandelt wird; wenn sich das Dasein zur höchsten Fragwürdigkeit entwickelt, und wenn man den großen Problemen Gott, Jenseits, Vergeltung nicht mehr nur theoretisch, sondern nach ihrem ganzen praktischen Ernst gegenübergestellt wird. Jetzt werden tiefste Tiefen auf- gelockert, jetzt werden die Augen hellsehend gemacht für Dinge, die man bisher nicht sah; jetzt gewinnt im Denken zuckendes Leben, was bisher nur kühles Problem oder blasses Schemen war. Gott sei Dank, der Himmel kam meinem guten Willen mit reichen Gnaden zu Hilfe. Nun erlebte ich voll und ganz das wahrhaft Rettende und Er- lösende der christlichen Religion. Ich habe nie soviel ge- betet wie im Gefängnis und nie soviel Erquickung, Trost und Kraft durch das Gebet gefunden. Die Gesamtlage war ja genügend ernst— zum vollen Ernstwerden. Es war mir nämlich völlig unbekannt, wie lange die Schutzhaft dauern würde. Nie wurde ich von einem Staatsanwalt ein- vernommen, nie erfolgte eine Gerichtsverhandlung, nie ein Gerichtsurteil mit Bekanntgabe der Strafe und Ge- fängnisdauer. Mitgefangene, die schon lange„saßen‘ und etliches um das Schicksal von Schutzhäftlingen der Ge- stapo wußten, schüttelten angesicht des Textes meines Schutzhaftbefehls den Kopf. Während eines Krieges be- inhalteten Vorwürfe, wie sie mir gemacht würden, fast Anklagen auf Hochverrat; derlei könne den Kopf kosten; mindestens aber kämen längere Jahre der Haft in Frage; höchstwahrscheinlich komme mit der Zeit, wie in anderen Fällen, Dachau. Da sich nun mein Gesundheitszustand ver- schlechterte, mußte ich damit rechnen, nie mehr frei zu werden, sondern in der Gefangenschaft zu sterben. So wurde die Gefängniszeit ganz von selbst zu einer Art
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