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Zelle; man wurde nämlich nie insFreie,in denHof geführt, weil damals das Wachpersonal bereits eingeschränkt wor- den war, Die Luft in der Zelle, die Schlaf-, Eß- und Klosett- raum in einem und für allzu viele Leute auf einmal war, war begreiflicherweise mehr als dick. So blieb nichts an- deres übrig, als sich immer wieder unter die offenen Fenster zu stellen, um frische Atmosphäre zu schnappen. Die Kost war recht schmal und nur für derbe Mägen er- träglich. Die Magenempfindlichen mochten zusehen, wie sie damit zurecht kamen. Wenn man sich beim Gefängnis- arzt beschwerte, hieß es: Gefängnis ist Gefängnis und kein Sanatorium. Angenehm war, daß man sich jede Woche von Zuhause mit der Frischwäsche zugleich etwas Brot und Obst schicken lassen konnte. Auch war vom Sanitäts- gehilfen gelegentlich etwas wie Malzextrakt oder Kunst- honig als Brotaufstrich zu kaufen.
Schon nach dreieinhalb Monaten wurde ich ziemlich krank. Ich hatte früher durch Jahre an einem schweren Magenübel gelitten; nun fingen Kraut und Rüben in ihrer übersauren Zubereitung an, mir solche Beschwerden zu verursachen, daß ich weitgehend auf deren Genuß ver- zichtete, Jetzt aber begannen offenkundig dem Körper gewisse Vitamine zu fehlen. Ich hatte bereits an die 25 Kilo Körpergewicht verloren; nun begannen mir Fingernägel abzufallen, und am Hals entwickelte sich eine große Drüsengeschwulst. Es traten auch Schwäche- erscheinungen und Herzstörungen auf. So wurde ich denn in das Gefängnisspital überstellt, wo ich bis zum Schluß meiner Haft(Mitte Oktober) verblieb. Das Inquisiten- Spital war zwar auch Gefängnis mit Gittern, vollkomme- ner Absperrung und Zimmerklosett; aber die Unterkunft war humaner, die Kost zuträglicher, die ärztliche Behand- lung eine anständige, und vor allem bedeutete es direkt Sonne, tagsüber ein paarmal wenigstens für kurze Minuten Engel zu sehen,— nämlich die geistlichen barmherzigen Schwestern, die den Patienten Tropfen, Pillen, Salben u. dergl. brachten. Auch war es sehr angenehm, bei gutem Wetter am Nachmittag eine halbe Stunde ins Freie im Innenhof geführt zu werden.
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