Bei den großen Hierarchen der alten Kirche, sowohl bei denen vor wie denennach Kaiser Konstantin, zeigt sich die Festigkeit im Glauben und die Bestimmtheit in der Glaubensverkündigung mit außerordentlicher Klug- heit und Mäßigung im Verhalten zu mächtigen politischen Widersachern in der Staatsführung verbunden. Cyprian, Athanasius, Gregor von Nazianz verlassen zeitweise ihre Residenz, um nicht durch ihre Anwesenheit gefährliche Situationen zuzuspitzen, die Gefahren für die Gläubigen zu mehren. Sie„verbinden die Liebe des Bischofs mit der Klugheit des öffentlichen Beamten”. Sie sind abwesend, „wenn die Gegenwart in der Mitte der Herde eine unnütze Gefahr herbeiführt‘. Gregor der Große veröffentlicht ge- legentlich ein gegen kirchliche Interessen gerichtetes Edikt des Kaisers auf dessen Geheiß, stellt freilich dem Kaiser gleichzeitig vor, daß das Edikt nicht mit den Inter- essen der Ehre Gottes im Einklang stände. Athanasius hält bei Widerstandsleistung„an der Grenze ein, wo die Festigkeit zur Empörung wird‘(Charpentier). Tertullian fordert nicht zur Rebellion gegen die unsittlichen Cäsaren seiner Zeit auf, sondern zum Gebet für sie. Bischof Hila- rius übermittelt dem Kaiser Constanz zwei schärfste Protestmemoranden, aber er denkt nicht daran, sie zu ver- öffentlichen; er will nicht Aufruhr des Volkes, sondern seelische Zerknirschung des Herrschers. Augustinus ver- langt gegenüber den Donatisten der Zeit, unter denen sich namentlich die Circumcellionen durch unerhörte Barbaris- men: Überfälle, Plünderungen, Brandstiftungen, Schän- dungen hervortun, nicht blutige Rache, sondern wahrhaft christliche Mission, christliche Geduld und Liebe.„Er-
innere dich‘, schreibt er dem kaiserlichen Tribunen Mar-,
cellin, der einen Donatisten-Mord zu bestrafen hat,„daß du, wenn du das Amt des Richters ausübst, du auch das Amt des Vaters tust. Der Eifer, der dich zur Bestrafung der Verbrechen beseelt, er lasse dich nicht vergessen, was die Humanität vorschreibt. Bewahre im Bestrafen die- selbe Milde, welche du bei der Untersuchung bewahrtest, weil es wichtiger ist, ein Verbrechen zu entdecken als es zu bestrafen. Trachten wir, die Donatisten auf den Weg
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