Kampf: sie wirkt allerdings nicht so herausfordernd wie Streitreden und kann daher auch länger geführt werden. Ruhige Darlegung und Begründung des ehristlichen Glaubens ist auch Kampi, auch wenn es auf den ersten Anblick nicht so aussieht. Natürlich ist für einen Publizisten, dem die Art der alt- testamentlichen Propheten, das Offene und AgglIessive im- mer mehr lag als das paulinische Allen-Alles-Werden, die Umstellung auf ruhige Art, auf rein positive Darstellung ohne laute Zurückweisung der Gegner— eine herbe, drük- kende Sache. Aber wer das Ziel: Möglichst lange Auf- klärung über die christlichen Wahrheiten— anstreben soll, muß auch die Mittel wollen. So machte ich mir denn für die besonderen Umstände der„Schöneren Zukunft“ ein Rezept des englischen Kulturhistorikers Carlyle zu eigen. Dieser schreibt einmal, es sei vergeblich, über- mächtigen Revolutionen mit äußeren Protesten entgegen zu treten, nutzlos über sie zu fluchen; das einzig Sinnvolle sei, in ihrem Gewoge die Ideen der Wahrheit, der Gerech- tigkeit und der Befriedung auszustreuen. Andere christ- liche Presseorgane:„Hochland“,„Stimmen der Zeit‘, „Benediktinische Monatshefte‘, ‚„Zeitwende‘,„Die Neue Saat“,„Die Christliche Welt‘, die verschiedenen Klerus- blätter und Kirchenzeitungen, verfuhren im großen und ganzen nach dem gleichen Rezept.
Bald nach der Angliederung Österreichs an Deutschland reihte das Berliner Propagandaministerium die„Schönere Zukunft” in die Gruppe der kirchlich-konfessionellen Presse ein und beraubte sie damit grundsätzlich der Mög- lichkeit, Fragen der Politik und Soziologie zu behandeln. Der Gedanke der Berliner Herren war: Wenn wir diese Laien in Wien auf Theologie und nur auf Theologie ein- engen, wird ihnen bald die Puste ausgehen; das Blatt wird am Schrumpfen des Leserinteresses zugrunde gehen. Aber ich war zuguterletzt froh über diesen Entscheid, und die Leserzahl wuchs, nachdem man ihr nicht mehr mit Politika,
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