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Erlebnisse und Bekenntnisse : ein Kapitel Lebenserinnerungen des früheren Herausgebers der Zeitschrift "Das Neue Reich" und "Schönere Zukunft" / Joseph Eberle
Entstehung
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ET TORE

Alte Testament ist für sie göttliche Offenbarung, Vorbe- reitung auf das Christentum. Von solchen Auffassungen wich der Nationalsozialismus völlig ab: Die Rassen rein materialistisch betrachtend, die einen vergötzend, den andern das Freiheits-, ja das Lebensrecht absprechend, gebärdete er sich als Todfeind des Judentums. Er betätigte diese Feindschaft zunächst durch völligen Ausschluß der Juden aus Staatsbürgerschaft, öffentlichen Berufen und wirtschaftlichen Betätigungen; dann durch immer radi- kalere Enteignungsmaßnahmen gegenüber dem jüdischen Besitz und Zerstörung sogar der Synagogen; endlich durch Verschleppung des Großteils der Juden ins Ausland bzw. durch ihre direkte Ausrottung in Hungerlagern, auf Er- schießungsstätten und in Gaskammern. Das war nicht mehr menschliche Politik, das war Herabsteigen zu den Methoden der wilden Tiere in den afrikanischen Steppen und Urwäldern.

Mehrung des Bauerntums und Festigung des Bauern- besitzes gegenüber Neigungen zur Umwandlung von Bauernboden in flüssige Marktware und dank der Flüssigkeit, nicht selten in Jagd- und Parkgrund und Wochenendlandschaft für Plutokraten ist eine schöne Idee. Aber nun die Inhaberschaft bzw. die Vererbung von Bauernwirtschaften von Parteigutachten abhängig machen, immer einen Sohn auf Kosten aller Geschwister unerhört bevorzugen, die einen zu Herren erheben, die anderen zu kleinen Knechten und Mägden oder Hintersassen herab- würdigen, das heißt doch viel zu weit gehen. Das Fidei- kommißwesen, das im Bereich des Adels bei großem Besitz hohen Sinn hat, weil dort auch bei Zusammenhalten des Besitzes(für besondere Zwecke der Traditionserhaltung und für die Ermöglichung wirtschaftlicher Probier- und Musterschulen) immer noch ordentliche Unterhaltsgelder für die Nachgeborenen sich ermöglichen, wird im Bereich des kleinen Besitzes zum ausgesprochenen Übel. Und dann: Warum soll gelegentlich nicht auch vermögenden Nichtbauern, in denen aber die Freude zur Landwirtschaft durchschlägt, und die für ihre Liebhaberei besondere Opfer zu bringen gewillt sind, der Erwerb von Landwirt- schaften gestattet sein?

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