Druckschrift 
Erlebnisse und Bekenntnisse : ein Kapitel Lebenserinnerungen des früheren Herausgebers der Zeitschrift "Das Neue Reich" und "Schönere Zukunft" / Joseph Eberle
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen

gemäße Programme. Aber man durfte das Planen und das Ausschalten des Eigennutzens nicht so verstehen, daß in einer Zeit, wo das inländische Judentum wegen unsolider Beutemacherei und das Ausland wegen Auspressung des deutschen Volkes angeklagt wurde, nun Parteigenossen das Recht zu zahllosen Willkür-Plünderungen und Willkür- Enteignungen gegenüber Mißliebigen im eigenen Volk erhielten; daß nicht bloß Reichsminister und Gauleiter, sondern auch kleine Gestapobeamte, Volksschullehrer, vormalige Feldwebel und Fleischergesellen das Recht er- hielten, sich binnen weniger Jahre Millionen aufzustapeln, Luxusvillen zu bauen, Kunstsammlungen zu erwerben und Landgüter beizulegen.

Auch die Christen kannten immer eine Judenfrage. So wie die Frage eines fremden Glaubens überhaupt, oder etwa die Frage des Liberalismus und Marxismus. Sie wehr- ten sich, wenn von jüdischen Schriftstellern christliche Ideen, Überlieferungen, Einrichtungen, Personen zu Un- recht angegriffen wurden; sie predigten Abwehr mit ge- setzlichen Mitteln, wenn von einzelnen jüdischen Kreisen Vorherrschaftsstellungen in der Literatur und Kunst, in Bank und Börse, in der Wirtschaft überhaupt im Bereich vorwiegend christlicher Völker angestrebt wurden. Aber sie dachten nie daran, die natürlichen Lebensrechte des jüdischen Volkstums zu bestreiten oder zu beengen. Sie dachten nie daran, die Juden um der Rasse willen zu be- kämpfen. Die Rassenverschiedenheit ist nach christlicher Auffassung von Gott zugelassen im Interesse der Gliede- rung der Menschen. Wo es Rassenentartung gibt, sind nach christlicher Auffassung nicht Blut und Körper, son- dern der Geist das Hauptentscheidende; es erscheinen von gutem Geist, von echter Religion und Moral aus, alle Besserungen und Hebungen möglich, so wie anderseits böser Geist auch diebeste Rasse nicht vor Entartung schützt.So kann man blondes Haar und blaue Augen haben und doch so falsch sein wie ein Punier schreibt Hebbel gelegentlich. Noch weniger dachten die Chri- sten daran, die Juden um ihrer religiösen Haupturkunde, um des Alten Testamentes willen, zu bekämpfen. Denn das

12