zur Selbsterlösung befähigt; ist das Alte Testament nicht göttliche Offenbarung und Vorbereitung des Christentums, sondern zu bekämpfendes Erzeugnis jüdischen Ungeistes; ist Christus nicht göttlicher Natur, sondern bestenfalls ein großer Mensch, wenn auch mit bedenklichen jüdischen Einschlägen; ist nicht der überweltliche Gott des Theis- mus, der Gott Christi, der wahre Gott, sondern der Gott des Pantheismus, die Allnatur, die aus Blut und Boden und Rasse spricht; ist der wahre Gottesdienst Dienst am Volk; sind die höchsten Tugenden nicht Liebe und Barm- herzigkeit, sondern Härte und Rache; gibt es keine per- sönliche Unsterblichkeit des Menschen, sondern nur ein Fortleben in Sippe und Volk; ist nicht Gott der Richter der Menschen, sondern das Volk bzw. die Volksführung. Das aber bedeutet völlige Verneinung des Christentums. Hand in Hand mit dem Auftreten solcher Deutungen und Richtungen entwickelte sich in immer breiteren Kreisen eine immer gegnerischer werdende Haltung zur Kirche. Während sie auf der einen Seite finanzielle Unterstützung erfährt, erfährt sie auf der anderen Seite steigende geistige Bekämpfung, fortschreitende Abdrosselung und Enteig- nung ihrer Klöster, Seminarien, Pensionate, Unterbindung des Zugangs zum Ordensleben und Priestertum, Verbot des Religionsunterrichtes in den Schulen, Hemmung ihrer Predigt-, ihrer Literatur- und Pressetätigkeit. Der kirch- liche Religionsunterricht wird in der Schule durch Partei- unterricht, die religiöse Erziehungsarbeit durch mili- tärische Erziehung, die Seelenpflege durch Körperpflege ersetzt. Es wird vielerorts Propaganda zum Austritt aus der Kirche betrieben. Kirchenglaube und Staatsdienst wird in immer zahlreicheren Fällen für unvereinbar er- klärt. Zuletzt erscheinen bei der Parteiführung und dem Großteil der Parteigenossen Christentum und Kirche durch ein zweifelhaftes Neuheidentum ersetzt. Das hat schreckliche Wirkungen. Denn seit Christus auf dieser Erde erschien, bedeutet Entchristlichung auf die Dauer immer auch Entmenschung, Verdummung, Entartung.
Druckschrift
Erlebnisse und Bekenntnisse : ein Kapitel Lebenserinnerungen des früheren Herausgebers der Zeitschrift "Das Neue Reich" und "Schönere Zukunft" / Joseph Eberle
Seite
6
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