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Erlebnisse und Bekenntnisse : ein Kapitel Lebenserinnerungen des früheren Herausgebers der Zeitschrift "Das Neue Reich" und "Schönere Zukunft" / Joseph Eberle
Entstehung
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Es war längst notwendig, die Wissenschaft aus dem Chaos, aus der Gegensätzlichkeit der weltanschaulichen Rich- tungen, aus dem Verfall in kleines Handwerks- und Kärrnerwesen wieder zu stärkerer Einheitlichkeit, zu großer Gesamtschau, zu wirklicher Erzieherfähigkeit zurückzubringen. Aber dann war sie zum Ausgang von der überlieferten christlichen Volksreligion zu verpflich- ten, nicht aber einfach nur auf den Staat der derzeitigen Entwicklung festzulegen; dann durften ihr nicht je länger je mehr einfach nur Blut und Ehre und Rassen- kraft als die Höchstwerte und Höchstziele aufgezwungen werden. Nicht das Buch der Bücher, vom Denken der größten Genies und von der Erfahrung der Jahrtausende als göttliche Offenbarung erkannt, Leitmotiv sein lassen, sondern die unreifen, unhaltbaren Einfälle dilettantischer Parteileute wie Rosenberg, Darre, Bäumler, von Leers usw., Bücher wieMein Kampf undDer Mythus des zwanzigsten Jahrhunderts zuguterletzt zur Bibel, zum Koran für die Professoren zu erheben, das war Zerstörung der Wissenschaft.

Der Wille zur Säuberung und Besserausrichtung von Lite- ratur, Theater, Kunst und Kino war sehr erfreulich. Aber das hätte heißen müssen: Neuvergegenwärtigung des Geistes der Hartmann von der Aue und Wolfram von Eschenbach, der Erwin von Steinbach und Dürer, des Geistes der Barockkunst und Barockliteratur, des Geistes der reifen Werke von Goethe und Schiller, Raimund und Grillparzer, vor allem auch der Werke von Dante, Cal- deron und Shakespeare. Das hätte bedeuten müssen Ver- pflichtung der Dichter, Architekten, Maler, Theaterdirek- toren und Filmregisseure auf die Pflege dieses Geistes. Statt dessen wurden mit der Zeit Verbrennungen christ- licher Literatur veranstaltet und erfuhr neuheidnische Literatur und Kunst öffentliche Förderung und krampf- hafte Verbreitung.

Längst war eine Zügelung der Presse fällig. Ihre Duldung als Privatangelegenheit von Händlern, die mit öffentlicher Meinung handeln so wie andere mit Hosenträgern, Herin- gen und Buttermaschinen handeln; die Zulassung ihrer

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